An Grenzen räkeln
Ich habe gehört, du hattest eine Fehlgeburt?», fragt mich die Dame, die irgendwie indisch aussieht, fürsorglich-mitleidig, aber auch unverkennbar pragmatisch. Nicht nur das, ich habe auch bereits einen Kaiserschnitt, zwei eigene Kinder und zwei Leihmütterkinder ausgetragen. Denn ganz ohne lästig aktiv mitspielen zu müssen, wird man als Zuschauerin von «Global Belly» tief in die Lage einer Frau versetzt, für die das Austragen eines fremden Kindes Existenzsicherung für ein ganzes Jahr und die einzige Aufstiegschance für die eigenen Kinder bedeuten.
Souverän nimmt die Berlin-Kasseler Performancegruppe Flinn Works in ihrem interaktiven Rundgang in verschiedenste Blickwinkel des lukrativen internationalen Wunschkindgeschäfts mit. Er beginnt mit der Sehnsucht danach, ein Kind zu haben: Zu Beginn werden in tiefster Dunkelheit zarte Wiegenlieder gesungen, doch bald vermählt sich sanfte Esoterik mit stahlhartem Business. «Absolute Unfruchtbarkeit gibt es nicht», verheißt die smarte Mitarbeiterin einer ukrainischen Fruchtbarkeitsklinik vor großen Werbeplakaten und öffnet die Arme zur großen, runden, ganzheitlichen Welt mit Kind: Im VIP-Paket für 59.900 Euro kann man sogar das Geschlecht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2018
Rubrik: Festivals, Seite 22
von Dorothea Marcus
Ich möchte als Einleitung ein kurzes Stück aus René Polleschs Stück «Die Liebe zum Nochniedagewesenen» zitieren, weil sie in ungewohnter Klarheit auf den Punkt bringt, worum es in seiner Arbeit geht:
M: Hast du gerade Krise gesagt?
MC: Ja, Krise.
M: Aber du meintest Katastrophe.
MC: Nein. Ich meinte Krise.
S: Aber du stolperst von einer Katastrophe in die nächste!
MC:...
In einer Ecke des klinisch weißen Bühnenraums von Ulrich Leitner sitzen sechs Personen in grauen Overalls zusammengedrängt auf einer Anklagebank und wirken ein wenig wie Mäuse in einem Versuchslabor. Um Versuche geht es an diesem Abend, um Experimente an Menschen bis zur jahrelang bürokratisch vorbereiteten und generalstabsmäßig durchgeführten Tötung von...
Pläne der Redaktion
Die Ruhrtriennale geht in ihre nächste künstlerische Drei-Jahres-Phase: mit Intendantin Stefanie Carp und Regiemelanchomiker Christoph Marthaler
Das neue Stück von Clemens Setz folgt den Spuren einer verstorbenen Putzhilfe: «Die Abweichung», der Stückabdruck
Die Redaktion muss erstmal ausspannen und ist ab 27. August wieder erreichbar
Das...
