Brecht erzählen
Im Jahr seines 120. Geburtstages sind eine Flut von neuen Titeln sowie einige Filme über Leben und Werke von Bertolt Brecht erschienen. Der Erfolg der «Dreigroschenoper» und ihrer Songs war nie zu bremsen, Brechts nachträgliche Versuche, den Stoff politisch zu verschärfen, ihm antikapitalistische Tendenzen beizumischen, wurden aber selten besonders ernstgenommen und von der Mehrheit der Literatur- und Theaterkritiker abgelehnt. G. W.
Pabsts Verfilmung der «Dreigroschenoper» setzte sich trotz Brechts Einwänden durch, sein Drehbuch «Die Beule» und seine spannend zu lesende «Dreigroschenprozess»-Polemik blieben so unwirksam wie das nachgereichte Stück «Happy End», obwohl es in musikalischer Hinsicht eher noch besser als «Die Dreigroschenoper» war und alle Rollen glänzend besetzt waren.
Hundert Jahre danach wird nun dem gesamten «Dreigroschenoper»-Komplex eine enorme Beachtung zuteil, während andere Brecht-Stücke zwar noch routiniert inszeniert, aber in ihrer künstlerischen Besonderheit und strukturellen Vielgestaltigkeit nicht ausgeschöpft werden und zu keiner Wirkung mehr gelangen. Bei den Versuchen, Brecht nur opportunistisch unserer Gegenwart anzupassen, ihn als Erfolgsdroge ...
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Theater heute Dezember 2018
Rubrik: Büchermagazin, Seite 63
von Klaus Völker
Das Theater als vergängliche Kunst hat ein besonderes Verhältnis zum Gedächtnis. Theater ist nicht nur die Kunstform der absoluten Gegenwart, der Gleichzeitigkeit von Performanz und Rezeption, es ist auch die Kunstform des Gedächtnisses. Ohne Erinnerung kein theaterkritischer Diskurs, ohne Diskurs keine Kunst. Schon der lockere Plausch nach dem Theaterbesuch («Wie...
Eine junge Wienerin, die ich nicht persönlich kenne, Frl. Elfriede Jelinek, würde noch gern was schreiben.» Das vermeldete der ebenfalls junge, seit seiner «Publikumsbeschimpfung» aber schon deutlich prominentere Peter Handke 1968 dem Residenzverlag. Er akquirierte gerade Autor*innen für die lesenswerte Anthologie «Der gewöhnliche Schrecken. Horrorgeschichten», mit...
1.
Geben Kunde allen Menschen, hier steht es ja, nicht in dieser Zeitung, es steht auch in der elektrischen Ausgabe, nein, in der andren dort, die auch elektrifiziert und besonders erhellend ist, in dieser nicht, das werden wir uns merken, daß es hier nicht steht, in dieser andren Zeitung, die es auch noch merken wird, ich weiß nur nicht, was, denn niemand hat...
