Tiefenbohrung im Subjektiven

Sebastian Hartmann wagt sich an James Joyces «Ulysses» und verwandelt ihn am Deutschen Theater Berlin in eine Sprech-Oper nach allen Regelüberschreitungen der Schauspielkunst

Theater heute - Logo

Seit Jahr und Tag stellt der Regisseur Sebastian Hartmann seinen Theaterabenden einen Ausspruch von Edgar Allan Poe voran: «All that we see or seem / Is but a dream within a dream.» Es ist ein anti-realis­tisches Motto und ein Signal, dass sich seine Theaterexpeditionen nicht aus handfester Alltagswirklichkeit herleiten, sondern aus dem Spiel der Subjektivität, aus Träumen und Gedankenbewegungen, aus dem Flackern des schöpferischen Ich.

 

Mit diesem Grundinteresse landet Hartmann folgerichtig bei den Werken der klassischen Moderne, für die Weltbeschreibung in erster Linie Untersuchung der Mittel ist, mit denen wir Welt aufschließen: Sinnen über Hirnströme, Sprachreflexion, Tiefenbohrungen in den Enzyklopädien des Wissen. Hartmanns Döblin-Variationen «Berlin Alexanderplatz» vorletzte Spielzeit am Deutschen Theater Berlin wiesen bereits in diese Richtung (TH 7/2016). Und nun ebenda der Sprachkunst-Monolith schlechthin: «Ulysses» von James Joyce, das Werk über die Wanderungen des Juden Leopold Bloom durch das Dublin des Jahres 1904 – und durch die Weiten der Kulturschatzkammern von Homers «Odyssee» über Shakespeare bis in den Zeitungsjournalismus seiner Gegenwart.

Aufstand der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Christian Rakow

Weitere Beiträge
Vorschau - Impressum (3 2018)

Pläne der Redaktion

Der Heizer Robert Smith will sich einfach nicht anpassen in der westlichen Welt. Perfekter Stoff für Frank Castorf: Eugene O’Neills «Der haarige Affe» in Hamburg.

#MeToo: Julia Riedler, Judith Rosmair und Hildegard Schmahl über Theaterarbeit, Macht und Männer.

Er war in den 60er Jahren ein Bühnenrevolutionär, dessen Entwürfe auch heute noch ...

Film: Du bist, was du spielst

Es ist schon sehr viel schwarzes Blut geflossen im April 1945, als ungefähr zur Mitte seines Kriegsende-Films «Der Hauptmann» der Regisseur Robert Schwentke einen «Bunten Abend» stattfinden lässt. Vor grölenden Soldaten, die gerade erst 30 Gefangene – vor allem deutsche Fahnenflüchtige und Plünderer – im Emslandlager 2 erschossen haben, liefern sich Samuel Finzi...

Daten (3 2018)

Aachen, Grenzlandtheater
14. nach Rostand, Cyrano de Bergerac
R. Ulrich Wiggers
 
Aachen, Theater
16. nach Fassbinder, Die bitteren Tränen der Petra von Kant
R. Martin Schulze
22. Dlé, Android ergo sum (U)
R. Florian Hertweck
24. Schiller, Die Räuber
R. Ewa Teilmans

Augsburg, Theater
10. Ripberger, 1968: Geschichte kann man schon machen, aber so wie jetzt ist’s halt scheiße...