Das unmögliche Kino

Wolfram Lotz «Einige Nachrichten an das All»

Theater heute - Logo

Wolfram Lotz will das Unmögliche: Er will nicht sterben, er will aufgehoben sein in der Welt, er will die Welt mit der Sprache erfassen. Weil er das alles will, will er auch ein unmögliches Theater. Lotz' Strategie der formalen Überforderung des Theaters ist die Konsequenz seiner inhaltlichen Überforderung, nicht umgekehrt. Die formale Überforderung kommt daher als kühne Herausforderung, als Reiz, als attraktiver Wahnsinn. Die inhaltliche Überforderung dagegen balanciert auf dem Grat zwischen sentimentaler Banalität und esoterischem Tiefsinn.

Sätze wie «Die Liebe ist da, damit man, wenn man nicht in der Welt aufgehoben ist, dann in einem anderen aufgehoben ist» sind nur erträglich, wenn sie in einem Rahmen gesprochen werden, der ihre schlichte Wahrheit sowohl beglaubigt als auch zerstört.

Bisher gab es zwei Versuche des Theaters, mit Lotz’ Stück fertig zu werden: einen schlicht auf das Machbare zusammengestrichenen Stück­umsetzungsversuch in Weimar, also eine Kapitulation vor der Forderung nach dem Unmöglichen, und im Akademietheater Wien einen groß angelegten Versuch, die Leistungsfähigkeit der Theatermaschinerie zu beweisen, eine Art Gegenangriff des möglichen Theaters.

Die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2013
Rubrik: Chronik: Dortmund Schauspielhaus, Seite 47
von Gerhard Preußer

Weitere Beiträge
Die Kinder sind weg

Die Putzfrau mal schnell ein Ciabatta für die Mittagspause kaufen schicken und sich dann nicht mal für diesen Extra-Dienst bedanken – im Gegensatz zu seinem schlecht gelaunten Kompagnon in der auf In-Vitro-Fertili­sation spezialisierten Privatklinik würde Sebas­tian so etwas niemals tun. Der geschiedene Arzt behandelt seine bulgarische Reinigungskraft Jana mit...

Der Publikums­beschimpfer

Die Theaterkarriere des Peter Handke begann mit einem Coup. Gleich das Debütstück des 23-jährigen Autors, «Publikumsbeschimpfung», schrieb Theatergeschichte. Als es im Juni 1966 im Theater am Turm uraufgeführt wurde, war Handke noch ziemlich unbekannt; sein erster Roman («Die Hornissen») war noch gar nicht erschienen. Kurz vor der Premiere hatte er auf einer Tagung...

Unruhe bewahren

Treffpunkt ist das New Shimbashi Building im Süden Tokyos, ein etwas in die Jahre gekommenes mehrstöckiges Einkaufszentrum mit unzähligen kleinen Geschäften, Massageläden und Büros. Baujahr 1971, genau wie das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi, in dem es vor zwei Jahren in drei der sechs Reaktoren zur Kernschmelze gekommen war. Shimbashi ist nach wie vor sehr...