Karneval nach dem Sturm
Nur knapp entging New Orleans dem Schicksal von Atlantis, als vor beinahe sechs Jahren die Dämme brachen und die Flut von Hurricane Katrina die Stadt in den Mississippisümpfen überschwemmte. Bilder von im Superdome zusammengepferchten und im Schlammwasser ertrinkenden Menschen flackerten über Bildschirme gemeinsam mit Nachrichten über den kompletten Zusammenbruch des Notfallsystems der Bundesbehörde. Zwei, drei Monate später schien das größte Chaos überstanden, und die Nation richtete ihr Augenmerk auf andere Desaster.
Doch was bleibt einer Stadt nach einer Katastrophe solchen Ausmaßes, die ganze Bezirke unter Wasser setzte, zahllose Leben forderte, die Wirtschaft lahmlegte und das sozial-politische Gefüge zerrriss? Für den Weg in eine Normalitat ist New Orleans, Wiege des Jazz und Mekka der Performance-Künste, nicht viel mehr geblieben als genau das: Musik, Theater und natürlich Mardi Gras, zwei ekstatische Wochen im März, auf die New Orleans das ganze Jahr hinfiebert.
«How to build a forest?»
Alles tanzt. Musik brüllt aus Lautsprechern. Scharen Kostümierter strecken sich schreiend nach Perlenketten, und meterhohe, kunstvoll dekorierte Paradewagen schieben sich durch die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2011
Rubrik: Ausland: New Orleans, Seite 32
von Sascha Just
Ein bisschen fühlt man sich an den Film «The Truman Show» erinnert, wenn man mit seinen Kopfhörern die Konferenzhalle betritt und plötzlich auf Kanal 8 des «Radios der Untoten» letzte Regieanweisungen vor der Performance hört: «Zuschauer sind drin, Licht aus und Start». Denn vor die lebenden Toten und die Übergänge zwischen Leben und Tod haben die Macher des...
«Der Verschollene» sollte nach Kafkas Willen der Roman heißen, nicht «Amerika». Diesen Titel erhielt Kafkas unvollendetes Werk erst durch seinen Herausgeber Max Brod. Aber nicht der Mensch, der verschwindet, sondern das Land, in dem er verschwindet, steht in der Bochumer Bühnenfassung im Mittelpunkt. In Kafkas Roman gerät sein junger Held Karl Rossmann auch in der...
Oliver ReeseSimon Stephens, gestern war die Uraufführung Ihres neuen Stücks. Wie war’s?
Simon StephensWas für ein Einstieg! Das Stück heißt «Wastwater» nach einem See im Lake District im Norden Englands. Es ist der tiefste See in England, aber das Stück hat absolut nichts mit dem See zu tun.
ReeseAlso wie «Pornographie», das ja auch nichts mit Pornographie zu tun...
