Rumantik
Die Liebesbotin zwischen Romeo und Julia zu spielen, ist eine Aufgabe, der man erstmal gewachsen sein muss. Julias Amme (Karin Neuhäuser) jedenfalls ist es nicht und verliert das Bewusstsein. Nicht schlimm: Ein Schluck Hochprozentiges bringt sie wieder auf die Beine, nur die Liebesbotschaft ist nicht mehr zu 100 Prozent vertrauenswürdig. «Rum», lallt sie beseelt, «Rum ... kugeln. Rumänien. Rumantik?» Halt, da stimmt was nicht. Mit der Romantik stimmt, um genau zu sein, einiges nicht in dieser «Tragödie von Romeo und Julia» am Hamburger Thalia Theater.
Jette Steckel hat sich Shakespeares bekannteste Liebestragödie vorgenommen, eine Auftragsregie, wie die Regisseurin vorab im Interview mit dem NDR bekannte – wer älter als 25 sei, könne kaum noch die Größe des Liebeskonflikts verstehen, die Romeo Montague und Julia Capulet zum Verhängnis wird. Die 31-jährige Steckel macht aber trotzdem, was man von ihr erwartet – sie liefert eine tadellose Inszenierung ab. Eine Inszenierung, die von ihren Darstellern lebt, von Mirco Kreibich als unverstanden-sensibler Rockstar-Romeo und Birte Schnöink, die Julia praktisch gar nicht spielt und dieses Nichtspielen mit atemberaubender Verstocktheit ...
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Theater heute November 2014
Rubrik: Chronik Hamburg Thalia, Seite 55
von Falk Schreiber
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