Spieglein an der Wand
Sie gleiten wie schlafwandelnde Eisläufer über die Bühne und passieren Spiegel, in denen sie wie flüchtige Erscheinungen auftauchen. Gelegentlich wandeln sie auch wie Pärchen, dann allerdings verschwindet plötzlich einer von ihnen hinter einem der Spiegel und wird scheinbar verschluckt. Da hat man den Eindruck, Mannheims Schauspielchef Burkhard C. Kosminski habe Shakespeares Gender-Illyrium beim Schopf gepackt und das Vexierspiel prekärer erotischer Identitäten als Spiegelkabinett des Scheiterns inszeniert.
Hier findet vorerst kein Deckelchen sein Töpfchen und das Spieglein an der Wand sagt lange nur: Kein Begehren hier im ganzen Land.
Dumm gelaufen. In Shakespeares Illyrien ist zwar viel Begehrlichkeit unterwegs, bei keinem der potenziell Liebenden reicht es aber zum bedingungslosen Begehren. Und so finden am Ende dann auch genau diejenigen zueinander, die bis dahin gar nicht wussten, dass sie überhaupt füreinander in Frage kommen. Das hat was Schales, als habe eine überforderte Dating-Agentur aus Gründen der Ökonomie mal schnell eins und eins zusammengezählt. Die schiffbrüchige Viola etwa, die im fremden Land als verkleideter Cupido unterwegs ist, bekommt den Herzog, für den sie ...
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Man konnte wirklich leicht auf den Bluff reinfallen, so routiniert herzlich klang im Vorwort zu ihrem Stück «Der große Blöff/Entfernte Kusinen» der Danksagungston Felicia Zellers an ihre «Kusine Deborah Schnabel, die mir im Sommer 2006 die Aufzeichnungen zum Großen Blöff so freimütig überlassen hat»: auf «dreizehn beidseitig beschrifteten Zetteln» ein Dramenentwurf...
Schnell wird es dunkler auf der Bühne. Der an Schienen hochgezogene weiße Tanzboden, der die Bühne rahmt und in einen White Cube von museumsartigem Zuschnitt verwandelt, verliert seine gleißende Wirkung und wird matt. Tänzer und Tänzerinnen in knöchellangen weiten, schwarzen Musselinröcken postieren sich vor der Rückwand, als seien sie einem barocken Gemälde von...
