Ein schwieriges Frauenzimmer
Corinna Harfouch hat bereits einige der sperrigsten Frauenfiguren gespielt, die die deutsche Geschichte hergibt: Eva Braun auf der Bühne, Magda Goebbels und Vera Brühne im Film. In Dagmar Knöpfels «Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern» spielt sie nun zur Abwechslung eine tschechische Dichterin des 19.
Jahrhunderts, aber man erkennt sofort, warum Frau Harfouch für diese Rolle besetzt wurde: Diese Bozena Nemcova muss ebenfalls ein schwieriges Frauenzimmer gewesen sein; einerseits eine selbstbewusste und viel bewunderte Frau, andererseits eine an sich selbst zweifelnde, misshandelte Ehegattin in ständigen Finanznöten.
In ihrer Heimat ist Nemcova eine nationale Ikone: eine Art Brüder Grimm, Heinrich Heine und Günderode in einem. Sie ist im Alter von 46 Jahren in Einsamkeit und Armut gestorben und hat doch das wahrscheinlich bis heute dort meist gelesene Buch geschrieben mit dem anheimelnden Titel «Die Großmutter». Corinna Harfouch liest im Film in einer Szene daraus vor – man hört ein altmodisch-phrasenhaftes Vorwort über «geliebte Falten», und dem deutschen Zuschauer bleibt völlig verschlossen, was den Zauber dieses Buches ausmachen soll.
Das ist das Hauptproblem des ...
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