Auf Krieg folgt Krieg

Lars Norén «Krieg»

Theater heute - Logo

Ein Krieg ist zu Ende. Dass er damit für die Menschen, die ihn erlebt ha­ben, für all die Heimkehrenden, Befreiten, Zurückgebliebenen noch lange nicht beendet ist, wird meist verdrängt. Anders in Lars Noréns jüngs­tem Stück, in dem er zeigt, dass Krieg und die Folgen eines Krieges strukturell gleich zerstörerisch sind.

Ein Familienvater kehrt aus dem Lager zurück. Nicht nur körperlich –  man hat ihm in der Gefangenschaft die Augen ausgebrannt –, sondern auch emotional ist er zum Krüppel geworden.

Nichts wünscht er mehr, als nach Hause zu kommen und seine Familie wiederzusehen. Doch auch hier findet er vom Überlebenskampf ausgebrann­te Menschen vor, verhärtet und zutiefst verletzt. Außer seiner jüngsten Tochter Semira hat niemand mehr seine Heimkehr erhofft, im Gegenteil, in den Trümmern seines ehemaligen Hauses wird er zum Eindringling. Seine Frau hat inzwischen eine Beziehung mit seinem Bruder Ivan, die ältere Tochter Beenina pros­tituiert sich für ein wenig Essen und hofft, von ir­gend­einem Freier in ein anderes Leben mit­genommen zu werden. Selbst der Hund ist dem Hunger zum Opfer gefallen – man hat ihn in der Not gegessen. 

Das alles soll der Blinde natürlich nicht erfahren, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2005
Rubrik: Chronik, Seite 32
von Natalie Bloch

Vergriffen
Weitere Beiträge
2001 – und dahinter die Unendlichkeit

Im Tagebuch vom Dezember 1985 notiert Andrej Tarkowski – exakt ein Jahr vor seinem Tod –, dass er für eine Vorlesung in Stockholm vier Illustrationen von Filmszenen benötige: Buñuels «Los Olvidados» – der Traum mit dem Fleisch; Bergmans «Wilde Erdbeeren» – der Traum mit dem Sarg auf der Waldlichtung; Fellinis «Achteinhalb» – der freudianische Anfang im Tunnel;...

Der Künstler macht die Kunst

Ein kluger und neugieriger Beobachter von Theater, Georg Hensel, schrieb: «In den sechziger Jahren krempelte Minks das, was man bis dahin unter Bühnenbild verstand, gründlich und nachhaltig um. Er hat dem Theater neue Spielräume und Spielformen erschlossen: die reißerische Signalwirkung der Zeichen und der Zitate aus Schrift, Historie und Malerei; die Konzentration...

«Das Theater war toll, denn ich war da»

Birgit Lengers Henning Fangauf, in Ihrem Artikel «Endlich erwachsen» (Dramaturg 2/04) heißt es: «Der Sparte Kindertheater fehlt es momentan an Orientierung. Gerade an jenen Innovationen, die das Junge Theater so positiv vorangebracht haben, hat diese Sparte nicht partizipiert. Seine Stücke und Spielweise haben sich in den letzten Jahren dem gehobenen...