Studio Helsingör

Lars-Ole Walburg sucht in den Münchner Kammerspielen «Hamlet» unter modernem Demokratie-Handling

Theater heute - Logo

Man kann es nicht mehr hören, das alberne Geraune um die mögliche Beteiligung der amerikanischen Regierung an den Anschlägen vom 11. September. Dadurch, so geht das Mantra linker Verschwörungstheorie, habe sich die Bush-Administration ihre geostrategischen Weihnachtswünsche endlich erfüllen und über Afghanistan und den Irak zur lang gehegten Weltumarmungsstrategie ansetzen können.

Deshalb ist es auch nur allzu verständlich, dass der Regierungschef genervt aus seinem Fernsehsessel aufrauscht und mit einem heftigen «Ich guck mir den Quatsch nicht länger an» die familiäre TV-Runde sprengt, als er sich im Kreis der Lieben eine der einschlägigen Fernsehreportagen ansehen soll. In jedem anderen Stück der Welt hätte der Mann einfach Recht. Nur leider war das gerade die «Mausefalle» aus Shakespeares «Hamlet», der kluge Politiker heißt Claudius und hat selbst jede Menge Dreck am Stecken. 

In dieser Szene spielt sonst eine Schauspielertruppe dem königlichen Königsmörder sein Verbrechen vor, damit Hamlet sehen kann, ob der rachedurstige Geist des vergifteten Vaters auch richtig Auskunft gegeben hat. Nun war der ruhelose Dänenherrscher in Lars-Ole Walburgs Münchner Inszenierung seinem Sohn ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2005
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Franz Wille

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die ganze Dynamik

 

In den vergangenen Wochen ist in den Medien viel ums Für und Wider des deutschen Regietheaters gestritten worden. Man nennt so etwas gemeinhin Debatte. Neben der Regietheater-Debatte erleben wir auch noch die Kapitalismuskritik-Debatte. Das Regietheater kommt meist nicht gut weg in der Debatte. Es hatte zuletzt jedenfalls wieder eine schlechtere Presse als der...

Wiener Fenstersturz

Es war keine Magie im Spiel bei jenem «Unverhofften Wiedersehen», das Johann Peter Hebel in seiner bekannten Kalendergeschichte beschrieben hat. Eisensulfat hatte den Körper des jungen Bergmanns konserviert, den man fünfzig Jahre nach einem Minenunglück wiederfand. Grau und gebeugt trat eine Frau an die Bahre und erkannte das jugendliche Gesicht ihres Verlobten....

Knacks und Komik

So was nennt man wohl «schwierige Kindheit»: Wenn sich der Papa im Wohnzimmer mit der Klage «Mein Sohn, mein Sohn, warum hast du mich verlassen?» per Selbsttötungsmaschine an ein Holzkreuz nageln lässt, dann hat der 16-jährige Sohnemann sicherlich das Anrecht auf einen heftigen Knacks. Und wenn das Töchterlein im verwesenden Leichnam der Mutter heranwachsen muss,...