Neue Stücke
Das ist die Grundfrage am Anfang jedes Stückeschreibens: Guck ich rein oder raus? Rein ins Dunkle des scheinbar heilen Familienlebens oder raus in die Welt, auch kein erfreulicher Anblick? In Bochum begibt sich Reto Finger ins «Haus am See», wo sich die erweiterte Familie alljährlich trifft und es diesmal mit einem unerwarteten Gast ans Eingemachte geht (R: Anselm Weber). Martin Heckmanns versammelt seine Kleinfamilie gleich im familientherapeuthischen Stuhlkreis: «Vater, Mutter, Geisterbahn» betrachtet Christoph Frick in Dresden.
Schillers «Bürgschaft»-Frage nach der Treue in existenzieller Situa-
tion hat in Frankfurt Lothar Kittstein zur Folie für sein gleichnamiges Stück gemacht, in dem in die heile Welt eines Paars unerwartet die Gewalt einbricht. Lily Sykes inszeniert. In ihrem Baden-Badener Auftragsstück «Die mich jagen» versucht Eva Rottmann, den Radius des Privaten zu erweitern: Rich Kids, die sich zur ersten Liebe treffen, werden unvermutet mit dem Rentner Adam und der Frage nach sozialer Gerechtigkeit konfrontiert (R: Laura Huonker). Auch Sören Voimas Kindheitsfreunde tragen in Hannover einen größeren Konflikt aus: In «Ursprung der Welt» wird Herodots Motiv der ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Service, Seite 62
von
«Ach», Alkmenes Brustseufzer der Enttäuschung, war selten so angebracht: Dieser schlunzige Unterhemdträger soll ihr wahrer Angetrauter Amphitryon (Christoph Hohmann) sein? Und schlimmer noch: Jener ist das göttliche Double, der bärtig zauselige Mietskasernen-Jupiter im – ach – Unterhemd (Peter Pagel)? Verständlich, dass diese Alkmene (Marianna Linden) den...
Und dann, als sich die Applausordnung zerstreut und die Akteure hinter die Bühne strömen, ist sie noch einmal da, diese eigentümliche schwebende Bewegung. Wie ein Eiskunstläufer gleitet er die steile Showtreppe hinauf. Gelöst beinah. Nur der Oberkörper unter seinem braunen, etwas steifen Sakko, der will so gar nicht hoch. Der beugt sich leicht vor, die Arme...
Wenn in der nächsten Woche die Regierung zurücktritt, darf auf Demonstrationen getanzt werden», beendet Heiner Müller seine Rede am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz. Zukunftsbesorgt hatte er davor zur «Gründung freier Gewerkschaften» aufgerufen − die Volksstimme buht. Jetzt jubelt sie, eine halbe Million, deren «Euphorie» und «Bedürfnis nach einem...
