Dresden: Bierjunge hängt
«Bierjunge!», ruft Jannik Hinsch alias Diederich Heßling seinem Gegenspieler, dem liberalen Anwalt Buck entgegen, der eben dem Publikum erklärt, dass Heßling als Untertan «der Typus seiner Zeit» sei. «Hängt!», brüllt es aus der letzten Publikumsreihe zurück. Hinsch und Lukas Rüppel, der als Buck davon träumt, Schauspieler in Berlin zu sein und dafür am liebsten in Heßlings Rolle schlüpfen würde – diese beiden ziehen vorn vor der Rampe zackig ihr Saufduell durch, bevor sie in Richtung letzte Reihe stürmen.
Dort sitzt tatsächlich ein Grüppchen Burschenschaftler in Couleur, und zu dritt vollführen sie mit dem «Hängt!»-Rufer ein komisches Ritual aus Trinkversen, Bierglasgeruder und Kampfschlucken. «Der könnte meine Rolle spielen!», schnaubt Hinsch-Heßling mit Blick auf den dritten Mann, der sein Glas in einem Zug geleert hat.
Das (halb?) improvisierte Intermezzo nach der Pause stellt mit einem Schlag eine Realitätsanbindung her, an der Jan-Christoph Gockels Roman-Inszenierung bis dahin etwas mühsam gebastelt hat. Denn so sehr man vielleicht und gerade in Dresden versucht ist, alle Burschenschaftler für rechts zu halten und alle Rechten für ängstliche Kinder, die sich nach autoritären ...
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Theater heute Dezember 2018
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Eva Behrendt
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