Düsseldorf: Lange Lebenskorridore
Ist er wirklich ein Landvermesser? Wurde er bestellt – und warum hat er sich sonst ins Düsseldorfer Schauspielhaus geschlichen? Zielbewusstsein und Emsigkeit simulierend, erhebt sich Moritz Führmann als Mr. Jedermann in grauem Zweiteiler aus der ersten Zuschauerreihe, um dienstbeflissen auf die Bühne zu eilen – und sich dort erstmal heimatlos hinzulegen. Denn Kafkas «Schloss», aus dem vielleicht ein Landvermesser angefordert wurde, ist bekanntlich von Nebel, Schnee und Finsternis umhüllt. K.
, ob Hochstapler oder nicht, wird dort niemals Zugang finden, genauso wenig wie im Dorf darunter. In der Inszenierung von Jan Philipp Gloger versperrt kein Schnee den Weg, sondern ein bewegliches Labyrinth aus Sperrholzlatten, das Bühnenbildner Christof Hetzer entworfen hat: Stets erlaubt es vermeintlich Einlass und Durchblick, um durch kleine Verschiebungen plötzlich wieder Blick und Perspektive zu versperren. Mal verwandelt es sich in unzugänglich rotierende Quadertürme, mal in Räume mit vielen Winkeln zum Versteckspielen, dann wieder in Grenzzäune zum Hochklettern, auf denen mit Kreide jeweils die Kapitelüberschriften des Roman-Fragments notiert werden.
Führmann hetzt und klettert sich zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2018
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Dorothea Marcus
Figuren:
Dr. Viktoria
Dr. Jacques
Dr. Martin
Johanna
Dr. Matthias
Dr. László
Dr. Eddie
Im Park und auf der Veranda vor dem einstigen Kanzlerbungalow in Bonn.
PROSZENIUM
Dr. Matthias Gefährten. Freunde. Wir haben die Ruinen Bonns erreicht. Das Kleinod an den Rheinauen. Wir sind am Ziel. Die Expedition ist als eines vom Main an die Mosel gezogen. Als eines haben...
Neue Stücke
Die Wechselfälle des Todes faszinieren Dramatiker im November. In Clemens Setz’ «Die Abweichungen» wird die Putzhilfe Frau Jassem tot in ihrer Besenkammer gefunden, Selbstmord. Hätte sie sich nicht umgebracht, wäre sie aber auch nicht die Künstlerin geworden, als die sie nach ihrem Ableben und hoffentlich auch am Schauspiel Stuttgart entdeckt wird. In...
Niemand fragte uns, was wir an Arbeit leisten können», erzählt die gut vierzigjährige Polin im Dokumentarfilm «The Lost Requiem». «Sie haben uns einfach aufgenommen, wie wir waren: krank, heimatlos und elend. Ich werde die persische Gastfreundschaft nie vergessen.» Mindestens 120.000 deportierte Polen konnten in den Kriegsjahren 1941/42 aus Sibirien in überfüllten...
