Und der Herr sprach
Der Himmel hat 600 Neonröhren. Ein riesiger rechteckiger Lichtkasten hängt horizontweit über der Bühne der Münchner Kammerspiele. So wünscht sich Osram den ersten Schöpfungstag. Es werde Licht, flackerfrei schaltbar, gruppenweise vernetzt, stromsparend. Und wenn alle 600 gleichzeitig aufflammen, kommen sie dem Sonnenideal ziemlich nahe: schattenfreie Tageshelle, wohin die Netzhaut schmerzt. Romantik sieht anders aus, aber mehr transzendentaler Ausblick ist nun mal nicht zu haben.
Der freie, selbstbestimmte Mensch in seiner aufgeklärten Herrlichkeit ist das Thema von Krzysztof Kieslowskis zehnteiliger Fernsehserie «Dekalog». Entstanden sind die Filme in Polens bleierner Zeit Mitte der Achtziger, als nach dem Erfolg von Solidarnosc das sozialistische Regime in seine totalitäre Endphase getaumelt war und General Jaruzelski – der mit der spiegeleigroßen Sonnenbrille – mit Kriegsrecht regierte. Übrigens nicht ohne sich hinterher zu rechtfertigen, damit doch nur den Einmarsch der Sowjets verhindert zu haben. Natürlich ging es Kieslowski und seinem Drehbuchautor, dem Rechtsanwalt Krzysztof Piesiewicz, nicht darum, mit moralischem Zeigefinger an die zehn Gebote zu erinnern – im ...
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Premiere in Aalen, «Dilldap» am Sonntagnachmittag im Dezember, hin mit den Kindern, in die Märchenkomödie von Dorst und Ehler mit Igel, Schnecke, Perlhuhn und natürlich einem Riesen, mit vielen, vielen Rollen und Verkleidungen. Doch «Dilldapp» in Aalen war einfach Brentanos Märchen. Um, in und unter einem schön schief gezimmerten Kasperlehäuschen spielten sich...
Willkommen in der Wirklichkeit» – so hieß das Motto der 3. Perspektive deutsches Kino, die vor drei Jahren zusätzlich zur speziellen Präsentation und Förderung des Nachwuchses ins Berlinale-Programm gewuchtet wurde. Leider ergab sich bald der Eindruck, dass die Realität, in der die Filme ankamen, dieselbe war wie die, von der sie gestartet waren – nämlich die der...
Es war wie beinahe jedes Jahr. Als die siebenköpfige Jury des Theatertreffens Ende Februar nach eines langen Tages Diskussionen über ihre Favoriten aus 300 Inszenierungen landauf, landab erschöpft auf das «Tableau» der Einladungen blickte, sah sie: 2 x Berlin, 2 x Hamburg, 2 x Münchner Kammerspiele, 2 x Zürich, 1 x Wiener Burgtheater und, immerhin, 1 x Hannover....
