Ritual für alle und von allen
1. Wald
Wir haben zwar keine Zahlen zur Hand, aber durchaus ein gewisses Bewusstsein davon, was zu viel ist, was nicht sparsam ist auf einer Bühne. Und immer, wenn wir so etwas sehen, lehnen wir es instinktiv ab. Zum Beispiel neulich im Schauspiel Stuttgart den riesigen Wald, der überraschend vom Bühnenboden heruntergelassen wurde – für gefühlte drei Minuten einer zweieinhalbstündigen «Räuber»-Inszenierung – und dann wieder dahin verschwand.Unser eigener Apparat, der von She She Pop, ist verglichen mit dem Schauspiel Stuttgart klein und schlank.
Wir waren immer stolz darauf. Jetzt beneiden wir den jungen Regisseur, zu dem der Freundeskreis des Schauspiel Stuttgart (so eine Art Aktionärs-Versammlung, nur ohne finanzielle Interessen) und die in der Öffentlichkeit stehende künstlerische Leitung, die den Wald vertritt, Ja gesagt haben. Wir beneiden den Bühnenbildner, der diesen Wald hat herstellen lassen dürfen. Und die vielen Angestellten, die daran im Rahmen ihrer Tarifverträge in ihrer Arbeitszeit arbeiten durften.
Die öffentliche Hand zeigt sich reich und großzügig, die öffentliche Hand arbeitet. Das Publikum (die öffentliche Hand) wirft einen Blick darauf für drei Minuten, auf ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 14
von She She Pop
Schuhe aus Beton muss Fandra Fatale tragen, damit sie nicht den Boden unter den Füßen verliert und endlich ihr Leben meistern kann. Albert Wegelin erinnert an Hermann Melvilles Bartleby und sein «Ich möchte lieber nicht» und wird doch ohne sein Zutun plötzlich ein mutiger Wut-Bürger. Der fette Karl Klotz ist in eine schwerelose Seiltänzerin verliebt. Herr...
Franz Wille (im Intendantinnen-Zimmer) Schönes Büro, man kann hier schon ein bisschen abheben.
Karin Bergmann Hier in dem Zimmer eher nicht. Das Burgtheater birgt zwar immer die Gefahr, dass es so etwas potenziert, aber das ist mehr ein Phänomen für die Feststiege. Hier im Büro holt einen dagegen ständig die Realität ein. Ich hebe nur ab, wenn ich unten auf der...
Sehr geehrte Redaktion,
anbei der Text. Wir haben uns nicht an die Längenbeschränkung gehalten, aber das ist nicht schlimm. Wir haben auch keine richtige Utopie verfasst. Die Realität, wie verlangt, einmal möglichst beiseite zu lassen, schien uns keine gute Idee. Stattdessen sind es nun Forderungen geworden, die sich direkt auf das gegenwärtige Theater beziehen....
