D(r)amen am Maloja-Pass
Kleiner Tipp für ambitionierte Schauspielschüler: Wer künftig eine besonders erschütterungsintensive Einfühlungsrolle einzustudieren hat, sollte sich von seinen Eltern einen Trip ins Engadin spendieren lassen. Denn wenn der Alpensee so silberklar glitzert, der Felsschlund auch nur annähernd so fatalistisch klafft und der Nebel ähnlich schicksalsschwanger übers Gebirgsmassiv wabert wie in Olivier Assayas’ Film «Die Wolken von Sils Maria», dürfte sich das professionell erforderliche Seelenbeben quasi von selbst einstellen.
Daran lassen jedenfalls die Schauspielerin Maria Enders (Juliette Binoche) und ihre Assistentin Valentine (Kristen Stewart) keinen Zweifel – zumal sie mit dem Karrierefrauendrama «Die Maloja-Schlange», das sie da Method-Acting-mäßig am Ort seiner Entstehung für ein Londoner West-End-Theater einstudieren, wirklich keinen leichten Job erwischt haben. Die Firmenchefin Helena, eine Mittvierzigerin mit gut sortiertem Familienleben, verfällt darin aus relativ interpretationsoffenen Gründen, über die dann auf ausgedehnten Kammwanderungen entsprechend intensiv spekuliert wird, ihrer halb so alten Praktikantin Sigrid: eine Art Fundamentalerschütterung, die letztlich in ...
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Theater heute Dezember 2014
Rubrik: Magazin: Film, Seite 71
von Christine Wahl
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