«Er ist mein Vater»
Es war einmal eine Epoche, die man heute als die Aufklärung bezeichnet. Die hatte, lange bevor ihre Ära endlich anbrach, literarische Wegbereiter. Das waren eben jene
Bösewichte Shakespeares, rücksichtslose Söhne und verderbte Töchter, die sich provokativ gegen Denkverbote auflehnten und so die herrschende Weltordnung nicht nur in Frage stellten, sondern kurzerhand und nachhaltig erschütterten. Ist eben diese Aufklärung, die den Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit und dem Einfluss kosmischer Gesetze befreit hat, heute, im 21.
Jahrhundert, überhaupt noch zu retten? Oder sind wir Verlorene? Bei dem britischen Autor Dennis Kelly sind die Menschen bereits verloren, bevor die Gewalt in ihr Leben einbricht und sie sich noch in ihren kulturellen Sicherheiten geborgen glauben.
Mit seinem neuen Stück «Die Götter weinen», das im März diesen Jahres in London uraufgeführt wurde, erzählt Kelly zunächst einmal ein modernes Märchen in einer globalisierten Welt über einen Mann im besten Alter, der den unbesonnenen, nicht rational zu begründenden Entschluss fasst, sein Unternehmen auf die nachwachsende Generation zu verteilen. Kelly gibt diesem Wirtschaftsmagnaten den irischen ...
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Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 182
von Beate Heine
Warum wird ein Theater zum Theater des Jahres? Wegen seiner Vergangenheit und seiner Zukunft, weil es irgendwo herkommt und weil es irgendwohin den Weg weist. Die Gegenwart ist dann nur der günstige Moment dazwischen.
Das Kölner Schauspiel kommt aus einer Senke mühseliger, glückloser Jahrzehnte. Überregionale Bedeutung erhielt es zuerst in der Intendanz Hansgünther...
Es war einmal ... im Herzen der ökonomischen Welt, im Herzen Amerikas, Texas, da gab es einmal ein Unternehmen» – so beginnt das Märchen von einem, der auszieht, ein König zu werden. Und er zieht aus, er wird ein König, und er wird wahnwitzig reich, und dann kommen die Neider und nehmen ihm alles wieder weg und werfen ihn in den Kerker bis an sein Lebensende. Aber...
Ewald Palmetshofer kämpft. Das kann man lesen. Hier schreibt niemand, der sich seiner Sprache, seiner Themen oder seiner Kunstgriffe sicher ist. Hier fordert ein Schreiben sich heraus in neue Zusammenhänge. Schon der Titel ist eine Zumutung. Fühlt man sich vom ersten Wort beschimpft, bleibt der Satz danach ein Stummel und ist nur schwer verständlich. Und so geht es...
