Flüstern war gestern

Wie das Theater die Souffleuse ans Licht zerrte: Früher musste sie sich im Kasten verstecken, heute greift sie ganz offen von ihrem prominenten Platz in der ersten Reihe ein

Theater heute - Logo

Es ist für uns unglaublich schwierig, diese Stelle kompetent zu besetzen.» Ist hier die Rede von einer Hauptdarstellerin oder einem neuen Chefdramaturgen? Nein: Tobias Veit, der künstlerische Produktionsleiter der Berliner Schaubühne, stöhnt über die nicht enden wollende Suche nach einer neuen Souffleuse.

Wie schwer kann es schon sein, mit dem Textbuch in der Hand Schauspielern vorzusagen, wenn sie nicht weiterwissen? Die perfekte Souffleuse, sagt Veit, soll sensibel und empathisch sein – aber ein dickes Fell haben; sie darf um Himmels Willen den Probenprozess nicht stören, soll unsichtbar sein – aber innerlich jede Sekunde beteiligt; sie muss «mit dem Schauspieler mitatmen und ihm den Text eingeben» – aber nur, wenn er ihn wirklich braucht. Auch der künstlerische Leiter der Schaubühne Thomas Ostermeier formuliert höchste Ansprüche an die Souffleuse: Er beschreibt sie als «Trainerin», die «nicht vorwurfsvoll souffliert, sondern den Schauspieler klug unterstützt, psychologisch aufbaut». Lars Eidinger, Schauspieler am selben Haus, sieht das ähnlich: Im Idealfall sei sie eine Art «Schwimmlehrerin, die am Beckenrand mitläuft und Kommandos gibt», während man die Bahnen zieht. Zu wissen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2012
Rubrik: Akteure, Seite 41
von Barbara Behrendt

Weitere Beiträge
Frankfurt/Main

Am Anfang war die Vorhaut, und sie war schnell weggeschnitten. Rituale haben an diesem Abend Konjunktur. Es geht um Juden, Christen, Antisemitismus und Shakespeare. Barry Kosky und seine Dramaturgin Susanne Goldberg haben den «Kaufmann von Venedig» radikal zusammengestrichen. Sie verzichten auf einen Teil der Schauplätze, Handlungsstränge und Figuren und haben dem...

Die Kulturolympiade

In der «Zeit» hat sich der Autor F.K. Mafhys einmal grundlegende Gedanken darüber gemacht, ob der Sport in Shakespeares Leben und Stücken eine besondere Rolle spielt. Sieht man davon ab, dass für den Dichter auch schon Bärenfang oder die Jagd von Fischen, Hasen und Fa­sanen zum leibesertüchtigenden Zeitvertreib zählten, so finden sich in den Dramen doch tatsächlich...

Theater heute

Die Theaterzeitschrift
im 53. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter

Herausgeber
Friedrich Berlin Verlag

Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)

Mitarbeit
Marion Schamuthe

Gestaltung
Christian Henjes

Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction

Redaktionsanschrift
Knesebeckstr. 59–61, 10719 Berlin,
Telefon 030/25 44 95 10, Fax...