Puppen sind nicht die besseren Menschen
Überall hin verfolgte einen dieser Dackel in Bochum. Zwischen der Maschinenhalle «Friedlicher Nachbar» und dem Museum, zwischen der Zeche 1 und den Kammerspielen, zwischen dem Bunker «Bastion» und dem Prinz Regent Theater: Der kleine braune Kurzhaardackel war schon da, reckte einem seinen Bauch entgegen und ließ sich sanft kraulen – ein idyllisches Bild. Ein trügerisches Bild.
Denn der selbstvergessene putzige Köter auf dem Plakat des 24.
Festivals «Figurentheater der Nationen» («Fidena»), der sich so sichtlich wohl fühlte in seinem Fell, warb hinterhältig für ein Programm, das mit kuscheliger Zufriedenheit so gar nichts zu tun haben wollte: Ganz gezielt «Unter die Haut», so das Motto, sollten die 23 Produktionen aus Europa und Südafrika gehen, die eine Woche lang in den weit übers Stadtgebiet verstreuten Spielstätten gezeigt wurden. Und so zog sich auch irgendwie ein banges Gefühl, eine latente Beunruhigung wie ein langer roter Faden zwischen den sehr dezentral gelegenen Festival-Orten durch halb Bochum: Auch die Puppenwelt ist unbewohnbar wie ein Abwasserkanal. Aber der Dackel verschlief den verzweifelten Aufstand dagegen und all das lächerliche Scheitern der Figuren, Objekte und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Woran liegt es, wenn es wieder einmal hakt im Hirn? Wenn sich angesichts der leeren Bühne oder des weißen Papiers alle Ideen ganz hinten im Gestrüpp der grauen Zellen versteckt zu haben scheinen? Handelt es sich in solchen Fällen tatsächlich um voll zurechnungsfähiges menschliches Versagen? Oder bloß um einen akuten Mangel an bestimmten Neurotransmittern in unserem...
Castorf forever
Der Vertrag von Frank Castorf als Intendant der Berliner Volksbühne wird bis 2010 verlängert. Die Entscheidung des Berliner Noch-Kultursenators Thomas Flierl sei bereits 2005 getroffen worden, hieß es. Offenbar hatte man bisher keine Zeit für die anstrengende Unterschriften-Zeremonie im Sternfoyer des Hauses, so dass man bis zur vorletzten...
Ein Karren zuckelt die Straße entlang. Die Hörner der vorgespannten weißen Ochsen sind rot bemalt, die hölzernen Reifen quietschen bei jeder Umdrehung, und obenauf sitzt ein magerer Bauer mit Turban. Dicht hinter ihm klebt ein schneller Neuwagen japanischen Fabrikats. Am Steuer eine wütende Frau im Abendkleid, die hupt und in ihr Handy schreit. Ihre Welt ist so...
