Einstürzende Relevanz-Ordnungen
Es muss eine desillusionierende Erfahrung gewesen sein für die sieben Wichtigkeitsbeauftragten der deutschen Theaterkritik, als sie auf der Suche nach den bemerkenswertesten Inszenierungen auf die Probleme des schieren Überlebens stießen. Der Theatertreffen-Juror Bernd Noack hat im Maiheft dieser Zeitschrift beschrieben, wie er auf dem Weg in die Mittel- bis Hochkultur der Wiener Theater am Westbahnhof auf Polizei-Hundertschaften traf, hinter ihnen abgesperrte Bahnsteige, auf denen Flüchtlinge aus Syrien warteten.
«Sie haben Rucksäcke und Taschen, und man wundert sich, wie wenig ein Mensch auf eine Reise mitnimmt, die in ein anderes Leben führt.» Oder wie es war, am 13. November 2015 aus einer «Clavigo»-Vorstellung zu kommen und im Hotelfernseher die Anschläge in Paris zu sehen: «Da kam einem das Theater nicht nur rat- und machtlos, es kam einem nurmehr lächerlich und nebensächlich vor.»
Die sieben wackeren Kritiker waren nicht die Einzigen, die erleben mussten, wie sich solide Wertigkeiten innerhalb von Tagen oder Wochen in Nichts auflösen. Als sich die ehemalige Volkspartei SPD plötzlich mit Umfrageergebnissen im Splittergruppenbereich konfrontiert sah, suchte sie hektisch nach ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Grenzen der Wichtigkeit, Seite 132
von Franz Wille
Unter den jungen und aufgekratzten Menschen, die an diesem Frühsommerabend an den Cafétischen vor der Amsterdamer Stadsschouwburg sitzen, ist er der Mann, der am lautesten lacht. Es ist ein dröhnendes, markerschütterndes Lachen, das wie ein Theatereffekt wirkt. Simon Stone trägt einen eng sitzenden dunkelblauen Anzug, er zeigt seine prächtigen weißen Schneidezähne...
Oft führt man Gespräche mit Kolleg*nnen und Freunden über die Frage, ob etwas Kunst ist, und wenn ja, darf es das? Selten führt man ein Gespräch mit jemanden wie Thomaspeter Goergen, der Dramaturg und Jurist zugleich ist.
Dieses Gespräch habe ich kürzlich mit ihm geführt, und wir kamen auf folgende Gedanken.
Der Jurist sagt, die Kunst ist frei, und hat...
Szene acht
Am nächsten Tag.
Derselbe Raum.
Bashir und Nick. An den Tischen. Nick erklärt. Bashir hört zu und reagiert. Computer
aufgeklappt vor ihm.
Nick Das Wichtigste am Geld ist, dass die Menschen es nicht gern verlieren, Bashir. Die Menschen, die Firmen, die Regierungen.
Also suchen sie immer nach einem sicheren Ort dafür. Siebzig Jahre lang war der sicherste...
