Theater ist Dialog
Torben Ibs Sie sind seit Anfang der Spielzeit neuer Schauspieldirektor in Cottbus. Haben Sie schon Theater für Nazis gemacht, wie Sie es angekündigt haben?
Jo Fabian Ja, immerzu. Ich will niemanden ausschließen. Als Schauspieldirektor muss ich – anders als als Privatperson – dafür sorgen, dass das Theater seine Pforten für alle potenziellen Zuschauer offen hält und eben nicht ausgrenzt. Es wäre totaler Quatsch, sich einzuschließen und sich das Publikum zu wünschen, dass sowieso applaudiert.
Da wären mir lieber: harte Diskurse, Dialog, Konfrontation, also alles, was möglich ist und vor der Gewalt kommt, auszuschöpfen. Was würde es für einen Sinn machen, wenn wir uns ausgrenzend verhalten und dann für Toleranz werben?
TI Cottbus hat in letzter Zeit vor allen Dingen durch Gewalt zwischen deutschen Jugendlichen und Geflüchteten auf sich aufmerksam gemacht, die AfD hat bei der Bundestagswahl 25 Prozent bekommen. Was haben Sie für Ideen oder Rezepte, um als Theater in die Stadtgesellschaft hineinzuwirken?
Fabian Mein Rezept ist: mit dem Herzen denken, mit dem Verstand fühlen. Das heißt, Vorschläge zu machen zur Wahrnehmung der Wirklichkeit – auch wenn sie irritierend und durch ...
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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Gespräch zur Zeit, Seite 52
von Torben Ibs
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