Die Banalität des staatstragenden Bösen
Idealer und stimmiger kann der äußere Rahmen für dieses Stück kaum sein: In Ingolstadt spielt man Martin McDonaghs «Kissenmann» auf der Werkstattbühne im Keller – ein betongrauer, hermetischer Raum mit bedrängend niedriger Deckenhöhe, kalt und fensterlos, unauffindbar. Da dringt kein Wort, kein Schrei nach draußen; das einzige verlässliche und zeitverstreichende Geräusch: Es tropft immer irgendwo aus rostigen Rohren, nervtötend leise monoton, dann ohrenbetäubend und hirnzersetzend laut.
Ein legaler Ort für illegale (Staats-)Machenschaften in einem nicht benannten Land, in dem man es nötig hat, vorgefertigten «Wahrheiten» mit Drohungen auf die Sprünge zu helfen.
Und wenn sich die Bühnenwände, die Svea Kossack noch rundherum mit bei Einschüchterungsbedarf schrill scheppernden Aktenschränken ausgekleidet hat, auch ab und an öffnen, den Blick auf lichte und idyllisch falsche Außenwelten freigeben – es bleibt eine Illusion, dass es aus diesem Verhörverschlag ein Entkommen gibt. Allenfalls Erinnerungen durchdringen die Mauern, die Figuren, die durch sie treten, kommen als lächerlich unwirkliche Einbildungen daher.
Schirin Khodadadian hat konsequent ein Folterkammerspiel inszeniert, das ...
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Vier Tage vor der Premiere sprach der ehemals wilde Mann ein zu Herzen gehendes Wort zum Sonntag. Der «fünffache Papa» Frank Castorf, lange nach eigenem Bekunden im «Tagesspiegel»-Gespräch ein «Rabenvater», erwähnte sein «wachsendes Bedürfnis, sich zu verändern». Hat er etwa deshalb jetzt sein erstes Märchen inszeniert und gar nicht, um den Autor Hans Christian...
Die begehrteste und meistbeachtete Premiere der Wiener Herbstsaison ging weder im Burgtheater noch in der Staatsoper, sondern in einem 68 Plätze fassenden Kellerlokal namens Theater am Alsergrund über die Bühne: Anfang Dezember erlebte dort «Hader muss weg», das neue Soloprogramm des Wiener Kabarettstars Josef Hader, seine Uraufführung. Es handelte sich im Wortsinn...
Seine Stücke handeln von Tanz- und Truppenbewegungen, sein Personal nennt sich «Sweethearts of Rhythm», «Golfkrieg Girls & Boys» oder «Die Einzigen Zeugen», und seine Hörspiele heißen «Schrei (wenn du kannst)», «ich auf der tretmine» oder «die Idee der Strafe». Der 1963 geborene Frankfurter Autor und Musiker Albrecht Kunze arbeitet an der Demarkationslinie von...
