Das finale Szenario
Das Theater kann auch in den schlimmsten und bedrohlichsten Stunden des Lebens für ein Durchatmen gut sein. Fritz streift in den letzten Kriegstagen 1945 durch das zerbombte Berlin, desillusioniert, eigentlich will er mit dem ganzen Schlamassel nichts mehr zu tun haben: nur weg hier, hinaus zu den Seen, wo sein Boot auf ihn wartet, das ihm Schutz und Unsichtbarkeit vor heranrückendem Feind und verirrtem Volk bietet.
Während er «hinter sich die Erde aufspritzen (fühlte), die von den Salven aus der Bordkanone hochgerissen wurde», sieht er vor sich das zerstörte Schillertheater.
«Was einmal der riesige Zuschauerraum gewesen war», zieht ihn jetzt an. Es ist ein irgendwie magischer Augenblick im Untergang: das Parkett zwar in Schutt und Asche, doch «auf die Trümmer schien durch das geborstene Dach die Sonne und ließ im flirrenden Licht Tausende von Staubkörnchen über die Sitzreihen tanzen».
Da kommt ihm in den Sinn, wie er hier mit Marianne «Alpenkönig und Menschenfeind» von Raimund gesehen hat, «und wie zur Bekräftigung formten sich aus den Sonnenstrahlen Feen und Geister, Gemsen und Jäger, die in winziger Gestalt aus den Trümmern erschienen (...) Konnte hören, wie sie fiepten und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2018
Rubrik: Büchermagazin, Seite 67
von Bernd Noack
Die mobile Drehbühne rotiert. Man kennt dieses mächtige Stillstands-Karussell schon aus Thorleifur Örn Arnarssons Hannoverscher Shakespeare-Auseinandersetzung: Anfang 2017 hatte Daniel Nerlich das riesige Ding zum Höhepunkt von Arnarssons «Hamlet»-Inszenierung ins Zentrum der Bühne geschleppt, und da dreht sie sich heute noch, mittlerweile als Kampfschauplatz von...
Vor noch nicht einmal zehn Jahren schien Brasilien in eine rosige Zukunft zu sehen. Luiz Inácio Lula da Silva, der als Gewerkschaftsführer und Mitbegründer der Arbeiterpartei PT nach dem Ende der Militärdiktatur seit 1989 sozialistischer Kandidat bei allen Präsidentschaftswahlen gewesen war, hatte 2002 und 2006 diese Wahlen mit Rekordergebnissen von jeweils 61...
Ein führender Politiker, Präsident eines westeuropäischen Landes, gerät in eine Krise. Warum, erfährt man nur in Andeutungen. Jedenfalls hat er den Impuls – sein «Momentum», so der Titel von Lot Vekemans neuem Stück –, der ihn an die Spitze der Macht getrieben hat, verloren. Nur mit Antidepressiva hält er sich am Funktionieren und will zurücktreten. Aber da ist...
