Klammergriffe und Kabbeleien
«Warum nimmt ein Jude keine Schmerzmittel? – Weil der Schmerz dann aufhört.» Sollte man ruhig öfter probieren: Zum Auftakt eines Theaterabends ein paar Witze erzählen, so wie Natalia Belitski in der Box des Deutschen Theaters. Das lockert auf und wärmt an. Und verspricht im Fall von Marianna Salzmanns «Muttersprache Mameloschn» obendrein etwas, das auch gehalten wird: Auch wenn es weh tut – es wird klug und unterhaltsam sein.
Tatsächlich hat die 1985 in Wolgograd geborene Autorin die Schmerzen von drei Frauengenerationen in ihr viertes von inzwischen sechs Theaterstücken gepackt.
Großmutter Lin blickt auf ein bewegtes Leben als hintenrum ausgegrenzte DDR-Vorzeigejüdin und Varietésängerin zurück, die allen antisemitischen Anfeindungen zum Trotz ihr Familienleben ihren «Idealen», nämlich dem Sozialismus geopfert hat. Ihre Tochter Clara nimmt das ihr, der DDR und jüdischer Folklore begreiflicherweise übel und ist umgekehrt ihren beiden Kinder Davie und Rachel eine «jiddische Mame» gewesen, wie sie im Buche steht. Aus diesem Klammergriff befreit sich Rachel gerade: Wie sich ihr Bruder Davie, der im Stück nur als Adressat von E-mails auftaucht, schon zum Kummer von Mutter und ...
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Theater heute November 2012
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Eva Behrendt
Mit «Hamlet» eine neue Intendanz einzuläuten, ist nie falsch. Wie richtig das Bremer
Schauspiel damit in die neue Zeit von Michael Börderding startet, ist eine andere Frage.
Überschäumenden Frohsinn konnte man den Stücken von Dea Loher bisher nicht nachsagen. Daran ändert auch «Am schwarzen See» nichts. Der Titel klingt jedenfalls nicht nach einem lustigen...
Das Marathon-Camp, das Ende September in Graz stattfand, war eine kalkulierte Überforderung. 250 Künstler, Theoretiker und Aktivisten waren Teil eines Programms, in dem es um nicht weniger als die Wiedergeburt der Kunst aus dem Geiste des Politischen ging. Rund um die Uhr waren bei der Auftaktveranstaltung des Steirischen Herbsts Diskussionen angesetzt,...
Es könnte ganz einfach sein – schlicht wie der erste Satz: «Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.» Im Düsseldorfer Schauspielhaus wuchtet sich erst einmal ein aus sechs Dutzend Männern und Frauen bestehender Chor in schwarzen Anzügen mit passenden Hüten aus den vorderen Parkettreihen,...
