Der Name war Programm
Liebe Moni,
die Nachricht von Deinem Tod hat mich in Berlin auf der Probe zu einem Mörderinnenstück erreicht, das Du selbst gerne noch gespielt hättest: «Arsen und Spitzenhäubchen». Und wir haben sofort aufgehört, weiter darüber nachzudenken, wie man am elegantesten alte Männer ins Jenseits befördert und haben das Glas auf Dich erhoben.
Ein alter Mann war die letzte Rolle, mit der Du Dich von der Bühne verabschiedet hast, der erfolglose Schauspieler Ulrich Bunzel, der nicht einmal mehr sein Leben selber spielen darf, weil der Brandauer damit besetzt wurde.
Klaus Pohl hat «Nachtgespräche mit meinem Kühlschrank» für Dich geschrieben, und es ist gespickt mit autobiografischen Details Deiner Theaterkarriere. Jetzt, wo Du nicht mehr da bist, ist es gar nicht so einfach, die zu rekonstruieren, denn anders als der deutsche Film, der Dich bei Deiner Beerdigung so eindrucksvoll betrauert und ganz für sich reklamiert hat – ja, man hatte bei der Lektüre der vielen Nachrufe auf Dich den Eindruck, vor Deiner steilen Filmkarriere ab 1998 habe es Dich als Schauspielerin gar nicht gegeben –, hat das Theater naturgemäß nicht sehr viele Zeugnisse.
Dabei kommst Du aus einer Theaterfamilie. Dein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Jelineks "Stecken, Stab und Stangl" in Hamburg
Das «M» von «Maria Stuart» hängt auf dem Titelblatt des Programmheftes wie abgehackt. Das ist aber auch schon der einzige Gag, den sich das Nürnberger Theater leistet, wenn es an Schillers tragischen Damen-Machtkampf geht: Stefan Otteni nämlich hat eine so strikte, ehrfurchtsvolle, letztlich uninspirierte und zähe Inszenierung abgeliefert, dass einem der...
Mein Gesicht fühlt sich total unecht an. Grässlich. Die Anderen mimen und chargieren, dass es mich graust. Das wird nie was. Zwanzig Stuttgarter Bürger und Bürgerinnen auf großer Bühne. Das wurde was. Die Inszenierung «Faust 21» am Schauspielhaus Stuttgart mit neun Schauspielern und uns, dem Stuttgarter Bürgerchor, lief vom Februar 2006 bis zum April 2007,...
Im Chor liegt der Ursprung des antiken Theaters. Erst trat ein Protagonist heraus, dann der zweite. Doch es dauerte nicht lange, dann war der dramatische Konflikt erfunden. Er hat in den folgenden zweieinhalb Jahrtausenden große Karriere gemacht, denn spätestens seit Renaissance und Aufklärung handelt der Mensch gerne auf sich allein gestellt. Aber der Chor war...
