Mainz: Sahnehäubchen Müller
Die mehr als 200 Seiten der Hebbelschen Trilogie könnte man an drei aufeinanderfolgenden Tagen oder in einer langen Nibelungennacht spielen. Jeder Teil wäre ein Drama für sich und würde etwa drei Stunden dauern. In Mainz, wo es der Deutschen liebsten Blut- und Ehre-Mythos derzeit in der sprachmächtigen und psychologisch aufgefrischten Neudichtung Friedrich Hebbels gibt, sieht das etwas bescheidener aus. Jan-Christoph Gockel braucht nur knapp vier Stunden, um aus «Der gehörnte Siegfried», «Siegfrieds Tod» und «Kriemhilds Rache» ein Nibelungen-Patchwork zu häkeln.
In der verhältnismäßig kurzen Zeit wartet er dann aber doch mit einer Menge ganz unterschiedlicher ästhetischer Mittel auf, um dort Schwerpunkte zu setzen, wo Hebbels «Nibelungen» noch interessanter erscheinen, als sie eh sind: im Umfeld des Wormser Zickenkriegs Kriemhild versus Brunhild, beim Odenwald-Krimi, in dessen Verlauf Hagen Siegfried meuchelt, und während Kriemhilds Blutrache.
Gockel konzentriert sich auf prickelnde Erzählstränge und arbeitet mit dem Puppenbauer Michael Pietsch zusammen. Pietsch steht als Spielmann Volker auf der Bühne und lässt seine Puppen (ein niedlicher Drache und fadengelenkte Avatare der ...
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Theater heute Juli 2018
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Jürgen Berger
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