Übungen in Missbrauch
Die Präsentation der sieben oder acht interessantesten deutschsprachigen Theatertexte für das Stücke-Festival in Mülheim hat sich in den letzten Jahren zu einem gewissen Ritual entwickelt, bei dem zwei Ansagen sich rhythmisch wiederholten: Zu jedem Preisrennen um den Mülheimer Dramatikerlorbeer konnte die große strukturelle Vielfalt der Stile und Haltungen in der deutschsprachigen Stückelandschaft beschworen werden, aus der sich aber dennoch stets ein saisonales Primärthema erhob: mal war es Gewalt, mal Familie, mal eine neue Hinwendung zum politischen Gesellschaftsstück, dieses Jahr i
st es «Missbrauch». Doch nur die erstere dieser Traditionen folgt einer Absicht. Spielt das Spektrum unterschiedlicher Textformen in der Endauswahl durchaus eine gewisse Rolle, so gilt dies für das Aufkommen eines inhaltichen Trends definitiv nicht. Den setzen die Autoren.
Gerade am Thema Missbrauch lässt sich leicht erkennen, warum diese Themenbildung auf einem Festival, das nicht nach einem Thema sucht, weder ein Mysterium noch Resultat einer stillen Absprache der Vorjury ist. Dass Anfang 2010 damit begonnen wurde, den systematischen Missbrauch in Einrichtungen der katholischen Kirche auch in ...
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Theater heute Mai 2013
Rubrik: Neue Stücke in Mühlheim, Seite 43
von Till Briegleb
Zu ihrem zwanzigjährigen Bestehen beschenkt die britische Kult-Physical-Theatre-Gruppe «Told by an Idiot» sich und die insulare Theaterwelt mit einer wunderbar skurrilen neuen Produktion. «Idiot»-Veteran Paul Hunter kickstartet «My Perfect Mind» in weißem Kittel, Walle-Perücke und perfektem Deutsch. Besonders Letzteres für einen Engländer eine grandiose Leistung:...
Er hält es im Kopf nicht aus. Die Bücher, die auf die Bühne (Bartholomäus M. Kleppek) herabregnen und später aus Ophelias Grab hochgeschleudert werden, geben ihm den Rest. Die Stimmen, die in ihm toben (oder als Sports-Geist in weißer Fechter-Montur auftreten und mit ihm einen Robot-Rap ausführen), muss er aus sich raus lachen. Da kann Hamlet – in Kapuzenjacke und...
Der wirklich interessante Moment im Leben eines Theatertreffen-Jurors ist der Morgen danach. Die letzte und entscheidende Jurysitzung wird schon aus abstimmungspraktischen Gründen immer komplizierter, je länger sie dauert. Zunächst nominiert man gut mehrheitstechnisch, worauf sich die meisten Stimmberechtigten unkompliziert verständigen können, also die größten...
