Der Ernst der Lage
Meinen sie das wirklich ernst? «Den jungen Regisseur Sarantos Zervoulakos», ist auf der Website des Düsseldorfer Schauspielhauses zu lesen, «reizt es zu überprüfen, ob man heutzutage noch eine Landpartie unter falschem Namen unternehmen muss, um ein Anderer zu sein.»
Nun. Man muss sich ja nicht gleich einen martialischen Avatar erfinden, um als tapferer Krieger durch künstliche Computerwelten zu fegen, während man eigentlich mehr so der Typ Couchpotato ist.
Es reicht ja schon, wie auf Partnervermittlungsportalen an Steckbriefen gefeilt wird, um mit attraktiverem Alter Ego auf die Pirsch zu gehen. Kommunikation im digitalen Zeitalter beginnt damit, dass permanent irgendwo «Profile» angelegt und die eigene Vita oder Timeline designt werden müssen. Du bist, wer du sein willst. Und wer du vorgibst zu sein.
Während sich unsere Welt also zu einem Tummelplatz multipler virtueller Persönlichkeiten entwickelt, entdecken die Theater Oscar Wildes «Bunbury oder Ernst sein ist wichtig» wieder: das Über-Eck-Spiel zweier Lebemänner, die auf die Klarnamen John und Algernon hören, sich aber unter ihren Zweitidentitäten Bunbury und Ernst wahlweise auf dem Land oder in der Stadt amüsieren. Der Witz ...
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Theater heute Februar 2014
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Vasco Boenisch
Fantastisch! Die E-Mail aus dem Staatsschauspiel Dresden offenbart sensationelle Zahlen. Unglaubliche 256.300 Zuschauerbesuche konnten die sächsischen Vorzeigebühnen im Kalenderjahr 2013, der fünften Saison von Intendant Wilfried Schulz, in ihre diversen Spielstätten locken – ganze 20.000 mehr als im Jahr davor! Was für ein Fest für die Kunst. Der Monat der Monate...
Er: ein älterer knorriger Einzelgänger mit Bluthochdruck. Sie: eine junge überlastete Notärztin. Er: der leutselige Alltagsrassist von nebenan. Sie: eine Hessin mit ägyptischem Vater. Ein Traumpaar kann daraus nicht werden, aber vielleicht ein Theaterstoff. Das jedenfalls ist der Ansatz beim Projekt «Fremdraumpflege». Die Initiative stammt von Pforzheims...
«Sie sind bestimmt alle wegen dem Buch hier», lächelt Jochen Roller in die gut besuchte Halle. «Kongo. Eine Geschichte. Von David van Reybrouck.» Kichern. Natürlich ist das Publikum nicht wegen van Reybrouck gekommen, sondern wegen dem neuen Stück von Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen: «Mobutu choreografiert», eine Koproduktion zwischen Kampnagel Hamburg und...
