De te fabula narratur –
Ein Gespenst geht um in Istanbul – das Gespenst des urbanen Widerstands und des Rechts auf Stadt, so wie der Sozialwissenschaftler David Harvey diese beiden Begriffe in seinem Buch «Rebellische Städte» bereits definierte. Seit 14 Tagen gehen mehr als eine Million BürgerInnen nicht nur in Istanbul sondern auch in vielen anderen Städten der Türkei auf die Straße und protestieren gegen die Regierung.
Der Istanbuler Gezi Park, eine verhältnismäßig kleine Grünanlage zwischen den Fünfsternehotels in der Mitte von Taksim, wurde nach der brutalen Räumung von den DemonstrantInnen, die gegen die Fällung der dortigen Bäumen für den erneuerten Bau einer alten ottomanischen Kaserne, die «Topçu Kıslası», die eigentlich als Einkaufszentrum dienen sollte, protestierten, zum Schauplatz eines urbanen Widerstands gegen die Staatsmacht.
Am 30. und am 31. Mai griff die Polizei um fünf Uhr morgens die friedlichen DemonstrantInnen mit Wasserwerfer und Tränengas an und setzte ihre Zelte in Brand. Am 31. Mai nachmittags fand in Istanbul eine große Demonstration statt, gegen die die Polizei ebenfalls mit Tränengas und Wasserwerfern vorging – diesmal aber heftiger. In mehreren anderen Städten der Türkei gab ...
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Theater heute Juli 2013
Rubrik: Ausland, Seite 42
von Dilek Altuntas
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Vor knapp einem halben Jahrhundert wurde, so heißt es, unter Kurt Hübner in Bremen das Regietheater erfunden: Unter anderem 1966, mit Peter Zadeks Skandalinszenierung «Die Räuber», die Schillers Debüt nicht stürmend und drängend als Leidenschafts–überschuss deutete, sondern als bis ins Letzte ausgeleuchtete Bigger-than-life-Kolportage, für die Wilfried Minks ein...
Ich erinnere mich: 1995, im Sommer, nach zwölfjähriger Abwesenheit, war ich heimgekehrt in meine Stadt, die nun wieder eine ganze war, und eben verhüllten Christo und Jeanne-Claude den Reichstag. Ja, wirklich! Ausgezogen aus der Stadt zum ersten Mal war ich im Totalen Krieg. 1943 nach Franken, wo es Nazis gab wie Sand am Meer. Als Einzelkind. Meine Mutter hatte es...
