Goldketten-Gernegroß
Der trüb angelaufene Betonquader von Bühnenbildner Jörg Kiefel ist schon grandios: Er könnte in irgendeiner arabischen Diktatur stehen, mitten in der Wüste oder auch im Stadtbild von Köln. Von oben hat man freie Sicht, unten entsteht so ein finsterer Zivilisations-Unort. Tonnen von Sand im Depot 1 im Carlswerk drumherum stauben schön, wenn die Bürger Bethuliens aufgeregt hin und her laufen, weil Holofernes sie auslöschen will.
Oben schreitet Holofernes durch sein Feldlager zwischen cholerischem Macho und außer Kontrolle geratenem Kleinkind, mühsam bei Laune gehalten von seinem Priester (Mohamed Achour) und Hauptmann (Jonas Gruber).
Robert Dölle spielt Holofernes mit dröhnender Stimme nahe an der Männlichkeits–karikatur und suhlt sich in seinen rampennahen Qualitäten: Lederhose unter nackter Brust, an der Goldketten als Gangsta-Bling klimpern. Den Motorradhelm, den die Requisite wohl praktischerweise erfunden hat, um später seine Köpfung plausibel zu machen, hält er sich verspielt vor das Gemächt, ansonsten spritzt er gerne mit blutrotem Wein herum oder hüpft in kindlichen Primatentänzen, wenn er nicht gerade einen Untergebenen zur Strecke bringt. Ein für das Publikum unsichtbarer ...
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Theater heute Februar 2014
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Dorothea Marcus
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Er: ein älterer knorriger Einzelgänger mit Bluthochdruck. Sie: eine junge überlastete Notärztin. Er: der leutselige Alltagsrassist von nebenan. Sie: eine Hessin mit ägyptischem Vater. Ein Traumpaar kann daraus nicht werden, aber vielleicht ein Theaterstoff. Das jedenfalls ist der Ansatz beim Projekt «Fremdraumpflege». Die Initiative stammt von Pforzheims...
Mit dem Kopf auf der Tischplatte hängt er da, Ivanov, ein abgekämpfter Enddreißiger in tristen Farben. Aus den Lautsprechern dringt ein hoher Tinnitus-Ton, das Fiepen einer überstressten Seele. Zwei Stunden später wird dieses Auftaktbild der Inszenierung auch ihr Schlussbild sein. Dazwischen hat Regisseur Michael Talke eine Reise in die Innenwelt dieses depressiven...
