Das ist wie Schicksal
Was ist denn mit unserer Familiensaga?», fragt Lavinia am Ende aller Lieder und Worte. «Was ist mit Vater, Mutter, Kind?» Es ist eine rhetorische Frage, eine höhnische, traurig-trotzige.
Sie steht nicht bei O’Neill, dessen ausufernde Familientragödie «Trauer muss Elektra tragen» in den vorangegangenen zwei Stunden so lakonisch wie parodistisch exekutiert worden ist, doch sie verdeutlicht noch einmal, was der Regisseur Stefan Pucher im Sinn hatte mit diesem Stück: nicht das psychologische Sittengemälde, nicht das monströse Familien-Triptychon nach antikem Vorbild, auf dem sich eine ganze Gesellschaft – hier die amerikanische – bis in die feinsten Nervenzüge wiedererkennt, sondern das überlebensgroße Einzelporträt: das Bildnis der Lavinia/Elektra, in deren Kopf sich der Horror abspielt und in deren erstarrtem Antlitz er sich spiegelt. Es ist das faszinierende Gesicht der Schauspielerin Katharina Schubert, in dem Puchers Inszenierung in den Münchner Kammerspielen gipfelt. Das Gesicht einer Frau, die sich in radikaler Eigenverantwortungsethik ihrem Schicksal stellt, unendlich einsam, hart und kalt; entschlossen, sich selbst zu bestrafen, weil niemand mehr übrig ist, der ihr den Gnadenschuss gibt. ...
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Das Theater», so lautet das Credo von Kurt Hübner auch heute noch, «sollte versuchen, zur Qualität zu aktivieren, Maßstäbe zu setzen, die Mit-telmäßigkeit bloßzustellen und die
Lächerlichkeit ausgeleierter Denkklischees zu zeigen. Es sollte gegen sich selbst noch kritischer sein als gegen andere.»
Rechtzeitig zum 90. Geburtstag des Schauspielers, Regisseurs und...
Die Direktion Herbert Föttingers in der Josefstadt beginnt wenig überraschend: Der Vorhang geht auf. Die Art und Weise aber, wie der Eiserne an diesem Abend geöffnet wird, hat durchaus symbolischen Charakter: Die Schauspieler selbst sind es, die den schweren Stoff mühevoll nach oben stemmen, und wenn er dann endlich in lichte Höhen entschwindet, bestaunen sie...
Warum hassen wir die Juden?»
Der junge, schlaksige Mann mit dem rasierten Kopf und dem grauen Anzug schaut prüfend seinem Publikum ins Auge. Die Pause ist gut gesetzt. Didaktisch wohltemperiert und im absurden Zirkelschluss führt er aus: Nicht weil die Juden die Banken kontrollieren und den besten Sex haben, hassen wir sie, sondern «weil es ein kulturelles Axiom...
