Uneingelöstes Versprechen

Sebastian Nübling eröffnet mit Tennessee Williams’ «Orpheus steigt herab» die Saison an den Münchner Kammerspielen

Theater heute - Logo

Mit «Three Kingdoms», dem trilateral koproduzierten kriminalistischen Parforceritt durch ein unübersichtliches, von Zukunftsängsten und -ambitionen geschütteltes Europa (Autor Simon Stephens wurde dafür gerade zum fremdsprachigen Dramatiker des Jahres gewählt), setzte Sebastian Nübling letzten Herbst an den Münchner Kammerspielen Maßstäbe für ein durchtrainiertes, polyglottes Theater am Puls der Zeit mit estnischen, englischen und deutschen Akteuren.

Ein Jahr später am selben Ort reanimiert er ein im Vergleich dazu geradezu traditionelles Stück, Tennessee Williams’ «Orpheus steigt herab» aus dem Jahr 1955, eine melancholische Provinztragödie vor dem Hintergrund der Rassendiskri­minierung in den USA. Geblieben ist die Fragestellung: «Wie geht das: Zusammenleben?», neu für eine deutsche Stadttheaterproduktion: Der Hauptdarsteller kommt aus Estland.

Gefährlicher als die wildeste Wildnis ist mitunter das mit Ressentiments verminte Terrain einer Kleinstadt. Engstirnigkeit und Gemeinheit kennen keine Grenzen und bestehen doch vor allem darin, ständig welche zu setzen – aus Angst, dass die eigene Borniertheit womöglich allzu offensichtlich werden könnte.

Gesellschaft versus Individuum

«Ich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 34
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Hinweis

Das allgegenwärtige Regietheater hat im Oktoberheft für redaktionelle Verwirrung gesorgt. Die Uraufführung von Brechts «Der gute Mensch von Sezuan» in Zürich hat Leonard Steckel besorgt und nicht der Autor (s. S. 60), und die deutsche Erstaufführung von Arne Lygres «Tage unter» bei der Berliner «Spielzeit Europa» hat nicht Staffan Valdemar Holm inszeniert, sondern...

Die Bühne eine Metapher

Es ist der Start in eine neue Spielzeit, die von größeren Weichenstellungen begleitet wird. Mannheims Generalintendantin Regula Gerber warf aufgrund gesundheitlicher Probleme im Frühjahr das Handtuch. Für das Nationaltheater bedeutet das: Es soll, angelehnt an das Stuttgarter Modell, künftig von gleichberechtigten Spartenleitern inklusive eines Verwaltungschefs...

Die wollen doch nur spielen!

Drei ältere Stücke von Philipp Löhle werden zum Berner Saisonauftakt als «Trilogie der Träumer» in der Regie von Jan-Christoph Gockel zur Uraufführung gebracht. Es geht an diesem Abend um untergebutterte Visionäre, Revoluzzer ohne Breitenwirkung, erfolglose Erfinder. Und um etwas, das gelingen soll: die Schauspieleröffnung des Berner Theaters, das sich neu...