Elitenherrschaft

Schiller «Kabale und Liebe»

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Ein intellektueller Überflieger ist Dan Glazers Ferdinand nicht, so wenig wie ein einfühlsamer Liebhaber. Wenn die ihrer Eltern beraubte Luise (Sidonie von Krosigk) starr vor Entsetzen über die Brutalität der Staatsgewalt dasitzt, ignoriert er das Trauma seiner Geliebten stumpf und leckt ihr stattdessen neckisch die Schulter. Und wenn ihm klar wird, dass Lady Milford (Tini Prüfert) nicht etwa ein oberflächliches Luxusweibchen ist, sondern ein ernstzunehmender politischer Kopf, dann penetriert er sie voll Begeisterung erstmal gegen die Wand.

Weswegen die bei von Krosigk arg mädchenhaft-störrische Luise ihr Herz an diese emotionale Dampfwalze verschenkt, bleibt im Dunkeln.

Überhaupt bleibt vieles im Dunkeln an der Motivation der Protagonisten in Schillers «Kabale und Liebe» am Theater Ulm. Die Figurenzeichnung ist der Knackpunkt in dieser auf kompakte zwei Stunden gekürzten Inszenierung des Ulmer Intendanten Andreas von Studnitz: Nachvollzieh­bare Aktionen gibt es keine, die Klassenschranken zwischen den Liebenden bleiben ebenso Behauptung wie die Liebe selbst. Stattdessen lässt etwa Wilhelm Schlotterer seinen Hofmarschall von Kalb so affektiert französeln, dass man gar nicht weiß, ...

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Theater heute November 2014
Rubrik: Chronik Ulm, Seite 58
von Falk Schreiber

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