Vollbad im Gestern
Was hat sich zehn Jahre nach der Uraufführung von Fritz Katers «zeit zu lieben zeit zu sterben» eigentlich verändert? Die DDR ist noch ein bisschen ferner, die Geschichten sind noch ein bisschen vergangener, und die Teenies der Achtziger, von denen das Stück erzählt, dürften unaufhaltsam in der zweiten Lebenshälfte angekommen sein.
Was ist so besonders an dieser Generation, die immerhin gerade dann eine System-Vollbremsung erfahren hat, wenn andere in Richtung Beruf und Familie durchstarten?
Regisseur Antú Romero Nunes, geboren 1983 im schwäbischen Tübingen, interessieren solche Fragen wenig. Er nimmt die Geschichten von Pubertät und ersten Lieben, von Tanzstunden, Sturmtrinken, Patchworkfamilien und den kleinen frenetischen Ausbrüchen und Abstürzen im alles andere als wohlgeordneten Sozialismus als das, was sie bei oberflächlicher Betrachtung auch sind: ganz normale Jugenderinnerungen an die Coolen und die Starken, die Sensiblen und die Kotzbrocken, wie sie auf jedem Schulhof herumlaufen.
Im Bühnenhintergrund (Florian Lösche) sind eine Lichtorgel und «marie & the redCat» aufgereiht, eine Mannheimer Schülerband, die nach eigenen Angaben «warmen englischsprachigen Akustikpop» ...
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Theater heute Mai 2012
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Franz Wille
Christine Wahl Haben Sie schon auf Ihre erste Theatertreffen-Einladung angestoßen?
Milo Rau Ja; wir haben uns sehr gefreut – und waren ein bisschen erstaunt.
Wahl Wieso?
Rau Ich habe das Theatertreffen eigentlich nie so verfolgt, weil für mich irgendwie abgemacht war, dass das eine Leistungsschau des Stadttheaters ist. Ich hab dann auch mal über Wikipedia eine kleine...
Er habe das Stück 2004 «unter dem Eindruck der Folter-Fotos aus Abu Ghraib» geschrieben, erklärt Bruce Norris im Programmheft und wirft die Frage auf, warum er seine zwischen allen Genres lavierende sozialkritische Imperialismuskomödie dann ausgerechnet in Afrika spielen lässt. Die als Weltpolizei gebrandmarkte Supermacht gehört dort ausnahmsweise mal nicht zu den...
Zuletzt arbeitete er (ein skrupulöser, ungemein selbstkritischer Autor) an einem Essay, einem Buch über Shakespeares Shylock, wollte, sagte er, den Blick aber auch auf die Titelfigur, Antonio, den Kaufmann von Venedig, lenken: den liebenden Homosexuellen. Denn Ivan Nagel war beides, ein ungläubiger Jude und homosexuell.
Geboren am 28. Juni 1931 in Budapest,...
