Akute Nibelungenentzündung
Wie sollen wir uns denn heute die Nibelungen vorstellen, diesen ehrpusseligen Burgunder-, beziehungsweise Germanenhaufen mit seinen altdeutschen Sitten und Problemen? Wer darf als erster durch die Domtür? Was bedeuten Männerehre und Treue bis in den Tod? Was ist ein Wortbruch, und wie geht man damit um? Auf eins ist bei Friedrich Hebbel wie Richard Wagner Verlass: Besonders kreativ-flexible Zeitgenossen zieren deren Versionen des vielstrapazierten Nationalmythos erst einmal nicht.
Im Berliner Maxim Gorki Theater hat Regisseur Sebastian Nübling eine schnelle, in jeder Hinsicht schlagende Antwort: Das rustikale Schema an Handlungsnormen wird an eine leicht unterbelichtete Straßengang delegiert, vermutlich im mittelschweren Drogenhandel unterwegs, die im großen schwarzen Benz mit wummernder Techno-Mucke (Lars Wittershagen) durch die Gegend kutschiert. Dass sich die nicht mehr ganz jungen Jungs gerne selbst überschätzen und die Geschäfte nicht immer rund laufen, sieht man auf den ersten Blick: Die S-Klasse, die als einziges Requisit raumgreifend mitten auf der Gorki-Bühne (Eva-Maria Bauer) parkt, ist streng genommen ein Totalschaden nach Großkarambolage mit Symbol-Nummernschild B-RD ...
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Theater heute Dezember 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Franz Wille
Was macht eigentlich Robert Stadlober (der wuschelköpfige «Wuschel» aus Leander Haußmanns DDR-Grenzerkomödie «Sonnenallee», der mit der Rolling-Stones-Doppel-LP unterm T-Shirt)? Er sieht eigentlich noch immer wuschelköpfig aus, trägt inzwischen Anzug, hat eine E-Gitarre in die Hände genommen und singt Lieder zum Lobpreis von Herbert Marcuse: «Der eindimensionale...
Seit das Londoner Globe Theatre 1997 von der Queen mit royalem Strahlen eröffnet wurde, hat man es als Touristenfalle, als Akademikerspielplatz, als den demokratischsten Theaterraum Englands und vieles mehr bezeichnet, doch bei einem sind sich alle einig: Jeder verbindet mit dem Globe Shakespeare, Shakespeare und nochmal Shakespeare. Der ist natürlich auch...
Daraus hätte was werden können: Zwei ökonomische Global Player, die Volksrepublik China und der Volkswagenkonzern, haben eine gemeinsame Geschichte, und diese Geschichte wird in Szene gesetzt von einem künstlerischen Global Player, Stefan Kaegi, einem der klugen Köpfe des international gefeierten Dokumentaristen-Kollektivs Rimini Protokoll.
Kaegi ist nach China...
