Kann ein Schwarzer böse sein?

Ben Stiller ist der Star in Neil LaButes «This is how it goes» am New Yorker Public Theatre, das zur Debatte über «black acting» beiträgt

Theater heute - Logo

Ein Mann kommt in die amerikanische Kleinstadt zurück, in der er vor zwölf Jahren die High School besucht hat. Vor dem örtlichen Sears-Kaufhaus trifft er zufällig die schöne Belinda wieder, die damals seine heimliche Liebe war. Der Mann hat gerade seinen Job als Rechtsanwalt geschmissen, ist frisch geschieden und ohne Bleibe. Da passt es gut, dass ihm Belinda gleich die neu ausgebaute Wohnung über der Garage ihres Hauses anbietet. Sie ist inzwischen mit Cody verheiratet, seinerzeit Sport-Crack der Schule, inzwischen erfolgreicher Businessman, und, oh yeah: ein Schwarzer.

Doch auch hinter der perfekt gestylten Fassade dieser aufgeklärten American Beauty lauert das nackte Hausfrauenelend. Denn Cody ist obsessiv, eifersüchtig, schlägt seine Frau und geht notorisch fremd. So ist es kein Wunder, dass sich zwischen Belinda und «dem Mann» rasch etwas Zartes anbahnt. Nach kurzem Hickhack der Rivalen beim Grillen und Joggen stehen zuerst Cody und Belinda vor dem Scheidungsrichter und kurz darauf der Mann und Belinda vor dem Traualtar.

 

Was soll man glauben?

Diese Geschichte ist natürlich zu schön, um wahr zu sein, vor allem aber zu glatt, um als Plot des erfahrenen Theaterautors und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2005
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Sabine Heymann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Über Stock und Stein

Theater heute Das Leitmotiv von «Theater der Welt» 2005 heißt «Heimweh nach der Zukunft». Klingt ein bisschen elegisch. 

Marie Zimmermann Ein bisschen Gefühl und Ironie hat noch selten geschadet. Eine Floskel dafür, dass Kultur immer auf verschiedenen Zeitebenen spielt. Die Echtzeit des globalen Marktes, an dem wir angeblich alle teilhaben, heißt ja nur, dass man...

Knacks und Komik

So was nennt man wohl «schwierige Kindheit»: Wenn sich der Papa im Wohnzimmer mit der Klage «Mein Sohn, mein Sohn, warum hast du mich verlassen?» per Selbsttötungsmaschine an ein Holzkreuz nageln lässt, dann hat der 16-jährige Sohnemann sicherlich das Anrecht auf einen heftigen Knacks. Und wenn das Töchterlein im verwesenden Leichnam der Mutter heranwachsen muss,...

Die Spur der Seife

Die Geschichte des Hörspiels ist eine Geschichte von Kurzschlüssen. Das erste Hörspiel überhaupt, Richard Hughes’ «A Comedy of Danger», uraufgeführt vom Londoner Rundfunk am 15. Januar 1924, spielte in einem Bergwerk, in dem das Licht ausgefallen war. Ebenso kurzschlüssig meinte man, die Hörspielbühne sei als eine Art Blindentheater besonders für die Darstellung...