Ein Brocken Schweiz
Angefangen hat alles zu jener Zeit, da Schweizer Mädchen klassischerweise Au-Pairs werden und Jungs in die Rekrutenschule gehen und allgemein der erste Ernst des Lebens geprobt wird. Oder dessen Leichtigkeit. Nach dem Abitur entschloss sich Reto Finger nämlich, gemeinsam mit einem Heidelberger Freund Theater zu machen. Und zwar alles. Er schrieb, spielte – und scheiterte. Merkte, dass er das nicht kann, jeden Abend die Energie und die Eitelkeit zu mobilisieren, die es braucht, um eine Bühne zu beherrschen. Dass ihm die körperliche Performance nicht liegt.
Dass er das Papier an sich, die Bücher, vielleicht auch die Akten und Paragraphen lieber mag.
Er studierte Jura, schloss ab, arbeitete als Jurist am Europa-Institut und am Gericht, sah die Fälle an sich vorbeiziehen wie auf einer Bühne, all die Fälle, die sich im Gericht selbst ausschließlich über Sprache abspielen oder reproduzieren. Und er verdiente richtig anständig Geld, was doch die wenigsten Jungdramatiker von sich behaupten können, weder im Leben vor noch im Leben in der Kunst. Nach neun Monaten Geldverdienen war die Schwangerschaft, die es offenbar brauchte, um wieder in die Kunst zurückzufallen, vorbei. Reto Finger, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Überall hin verfolgte einen dieser Dackel in Bochum. Zwischen der Maschinenhalle «Friedlicher Nachbar» und dem Museum, zwischen der Zeche 1 und den Kammerspielen, zwischen dem Bunker «Bastion» und dem Prinz Regent Theater: Der kleine braune Kurzhaardackel war schon da, reckte einem seinen Bauch entgegen und ließ sich sanft kraulen – ein idyllisches Bild. Ein...
Ein Karren zuckelt die Straße entlang. Die Hörner der vorgespannten weißen Ochsen sind rot bemalt, die hölzernen Reifen quietschen bei jeder Umdrehung, und obenauf sitzt ein magerer Bauer mit Turban. Dicht hinter ihm klebt ein schneller Neuwagen japanischen Fabrikats. Am Steuer eine wütende Frau im Abendkleid, die hupt und in ihr Handy schreit. Ihre Welt ist so...
Wann ein Mann ein Mann ist, hat Herbert Grönemeyer aus Bochum schon vor einer Weile geklärt. Diese Männerdämmerung passierte im Zickenbeat und tat etwas weh, vor allem in den Ohren, aber das Leiden hat sich gelohnt: Wir dürfen jetzt weinen und rosa Hemden tragen. Es lag also doch auch ein Sieg in der Niederlage. Etwas länger beschäftigt man sich allerdings mit dem...
