Postfeudale Welten
«ALL I SEE» – alles, was ich sehe – steht auf dem Szenenvorhang. Zum Auftakt fangen die Buchstaben nervös zu blinken an. Was sehe ich, was kann ich erkennen, werde ich als der erkannt, der ich bin? Im Verlauf seiner sehr freien «Iphigenie»-Adaption auf der Kammerspielbühne des Frankfurter Schauspiels lässt Ersan Mondtag ein paar Mal den Zusammenhang von Erkenntnis und Gewalt aufflackern, etwa in der Projektion eines Stills aus Lana del Reys Video «High by the Beach» auf der Bühnenrückwand.
Die Sängerin hält da ein monströses Maschinengewehr im Arm, mit dem sie gerade einen aufdringlichen Paparazzi samt Hubschrauber abgeschossen hat. Nicht genau Hinschauen kann gefährlich werden – zu genaues aber auch.
Doch was hat das alles mit Iphigenie zu tun, jener von Goethe in den schönsten Tugendfarben ausgepinselten Idealfigur, die zwischen Pflicht und Neigung den goldenen Kompromiss schließt? Sie ist, so der Mythos, in letzter Sekunde dem Opfertod durch Vater Agamemnon entkommen, weil sie von der Göttin Artemis mit einer Hirschkuh vertauscht und in deren Heiligtum auf der Insel Tauris gebracht wurde. Hier wird sie deren Priesterin, die selbst im Namen der Gottheit Opfer fordert und um ein ...
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Theater heute Oktober 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 15
von Eva Behrendt
Was hat Theater mit der Wirklichkeit zu tun? Sehr viel in diesen Tagen: In Kabul stürmen Taliban eine Aufführung der Gruppe AZDAR und verüben einen Anschlag, bei dem zwei Menschen sterben; in der Folge dürfen die Mitglieder des Theaters nicht zu einem Gastspiel nach Deutschland reisen, weil die (deutschen) Behörden Flucht-gefahr wittern. In Gera führt das Theater...
TH Der Deutsche Bühnenverein hat auf seiner letzten Hauptversammlung in Kaiserslautern festgestellt, dass er die Arbeitsbedingungen für darstellende Künstler an den Stadt- und Staatstheatern sowie den Landesbühnen «weitgehend für zufriedenstellend» hält. Die Gagen lägen je nach Beruf zwischen 2.700 und 3.100 Euro im Monat. Lisa Jopt und Sebastian Rudolph, Sie...
Nach einer guten Stunde ging plötzlich das Saallicht an. Ein Techniker trat bei der Berliner «Empire»-Premiere in der Schaubühne auf die Bühne, erklärte, dass sich der Lichtcomputer irgendwie verschluckt habe und jetzt ein Back-up der Stimmungen einlesen müsse, was zwei, drei Minuten dauern werde, und verschwand. Die Schauspieler nahmen’s gelassen, das Publikum...
