Lebensgeisterstun­den

Richard Maxwell «Das Mädchen» (Theater Bonn), Marina Carr «In Marmor» (DE, Kammerspiele)

Theater heute - Logo

Richard Maxwell gilt als Innovator, Purist, ja gar als Außenseiter in der New Yorker Avantgardeszene. Seine Inszenierungen seien sperrig und spröde, eine Reise ins Ungewisse, jeder Abend neu improvisiert, raunen Stimmen im Feuilleton. Keine Bühnenbilder, keine Beleuchtungseffekte, kein Spiel. 

 

Was Richard Maxwell für das Theater Bonn in Zusammenarbeit mit einigen Schauspielern aus seiner «New York City Players»-Group entwickelt hat, setzt in der Tat auf Entzug und Verweigerung.

Die einzigen Farbtupfer auf der weißen Spielfläche und vor der weißen Rückwand sind die sieben Akteure (Susanne Bredehöft, Anastasia Gubareva, Sibyl Kempson, Victoria Vazquez, Jim Fletcher, Brian Mendes, Raphael Rubino), scheinbar kostümlos in Alltagskleidung, Polohemden, Jogginghosen, T-Shirts (Bühne und Kostüm: Sascha von Riel). Wie zum Warming up ordnen sie sich zu Beginn gemeinsam im Raum an, wachsen zu kryptischen Körpergebilden zusammen oder bleiben mit ihren Qi-Gong-haften, nicht dechiffrierbaren Bewegungen allein. Es folgen wortlose Zweier- und Dreierbegegnungen, während der von Maxwell verfasste Text in riesigen Blöcken in körnig-unscharfer Auflösung auf die Rückwand projiziert wird. Seine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2010
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Nathalie Bloch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Von den Füßen auf den Kopf

Kaum einer bürstet derzeit das gute alte wellmade play so ausdauernd und radikal gegen den Strich wie der britische Dramatiker Dennis Kelly. Von vorne nach hinten erzählen – gut und schön, aber warum nicht mal von hinten nach vorn wie in «Liebe und Geld»? Dokumentarische Techniken einbauen durch Interviews und Recherche – sicher, ein Klassiker der modernen...

Neue Stücke

Im Gefolge der Nobelpreisverleihung an die rumäniendeutsche Autorin Herta Müller wurde auch über die Kopfgelder berichtet, mit denen die Bundesregierung über Jahrzehnte dem rumänischen Staat Bürger abkaufte – und half, die Ceaucescu-Diktatur aufrecht zu erhalten. Die rumänische Theatermacherin Gianina Cãrbunariu interviewt nun Siebenbürger Sachsen und Banater...

Bombenstücke

Die deutsche Dramatik hat die Bombe. Sie wird am Flughafen deponiert, sprengt den Stuttgarter Hauptbahnhof in die Luft, ebnet ganze Städte ein, verwüstet Länder, und wenn sie zu weit entfernt von Europa explodiert, dann grüßt ihr Feuerschein wenigstens im Fernseh-Bild, ihr fetter Sound untermalt professionelle Betroffenheit. In zahlreichen neuen Stücken, die in den...