Gemeinsam einsam
Die Jugendstilbühne der Münchner Kammerspiele liegt in tiefem Nebel. Von goldgelbem Licht durchglühte Trockeneisschwaden dampfen aus der Nebelmaschine. Auch der Nieselregen vom Theaterhimmel sowie die federleichten Felsbrocken und Grasbüschel, die fünf hemdsärmelige Arbeiter in diesem hochwandigen Museumsmagazin bereits ausgiebig von vorne nach hinten geräumt haben, sind offensichtlich künstlich.
Jetzt greift sich der durchtrainierte Schauspieler Franz Rogowski einen Styroporstein, als sei’s ein Baywatch-Rettungsbrett, und schmeißt sich wie ein übermütiger Delfin auf den nassen Boden, um wieder und wieder triumphal über die Diagonale zu glitschen. Dazu liefert sein Kompagnon Stefan Merki fantastische Trommelwirbel, die, zusammen mit eingespieltem Sphärenbrausen, dem sinnfreien Treiben auch akustisch hypnotische Dichte und Plastizität verleihen.
Leider ist diese rauschhafte Rutschszene ein ziemlich einsamer Höhepunkt in Philippe Quesnes erster Münchner Produktion «Caspar Western Friedrich». Und das, obwohl die Komponenten der Inszenierungsinstallation durchaus vielversprechend sind: Quesne übersetzt bildnerische Motive des romantischen Greifswalder Malers Caspar David Friedrich in ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 15
von Eva Behrendt
Viele der besonders geistlosen Sprüche und Sentenzen, die man auf Kundgebungen der AfD und bei Volksversammlungen von Pegida hört, erinnern fatal an das Vokabular, das in Deutschland nach 1933 in vieler Munde war. «Lügenpresse», «Überfremdung» oder auch «Schmarotzer», angewandt auf Flüchtlinge, die derzeit hier Sicherheit suchen, sind Wörter, die Adolf Hitler in...
An Görings Geburtstag rottet sich das grau gewandete Gefolge des Nazi-Oberbonzen zu einem Opernhausball zusammen. Den Gastgeber spielt Hendrik Höfgen, Intendant der Berliner Staatstheater, Görings Günstling. Der Autor Klaus Mann schreibt das Jahr 1936, er schrieb auch im Jahr 1936, er konnte noch nichts wissen von Holocaust und totalem Krieg, aber er ahnte das...
Natürlich ist das RTL-Fernsehformat «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!» (kurz: «Dschungelcamp»), heuer von durchschnittlich sieben Millionen Zuschauern gesehen, eine klassische Typenkomödie. Es geht um allgemeinmenschliche Eigenschaften, die sich im australischen Dschungel, obwohl hinter jeder Palme eine Kamera lauert, möglichst unverstellt zeigen und kräftig...
