Das kostbarste Ei
Theater heute Lieber Wolfram Lotz, Paragraph 12 ihres Manifests im Jahrbuch 2014 lautete: «Im Theater ist das Gelingen des Lebens der Arbeitenden von Bedeutung, aber nicht nur dort.» Was sind die Bedingungen für das gelingende Leben eines Theaterautors?
Wolfram Lotz Ich befürchte, es gibt kein gelingendes Leben als Theaterautor, man kann als Theaterautor vermutlich höchstens eine gelingende Zeit haben.
Wichtig ist, dass das, was geschrieben wird, für sich schon seine Berechtigung hat, es nicht davon abhängig ist, ob sich ein Theater erbarmt oder nicht. Ich wohne in der Literatur, aus der Hütte kann mich keiner rausschmeißen. Aus dem Theater dagegen wird man als Autor wohl wieder rausgeschmissen, vermutlich sogar sehr schnell. Deshalb scheint es mir wichtig zu sein, das Schreiben nicht noch an den Rhythmus des Theaters anzupassen, zum Beispiel in Form von Schreibaufträgen. Ein Text ist fertig, wenn er fertig ist, und nicht, wenn Abgabe ist, und er muss weggeschmissen werden, wenn er weggeschmissen werden muss. Und wenn das zu Sagende nicht auf die Bühne will, plötzlich, sondern woanders hin, dann soll es woandershin, z.B. in einen Gedichtband oder in eine Erzählung. Und wenn ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Der Autor des Jahres, Seite 142
von Theater heute
Wir, die Gruppe George Kaplan, haben ein empfindliches Gemüt. Unsere Zeit hängt uns zum Hals raus. Seit langem schon sind wir nur noch Gespenster unserer Existenz, Fahnenflüchtige, die durch ihre Rückzugsgebiete geistern. Wie durchsichtig wir uns selbst und der Welt erscheinen, erstaunt nur noch die Unaufmerksamsten unter uns.»
«George Kaplan» ist eine ebenso...
Mitte März im Staatsschauspiel Dresden: Gerade noch hatte Fiesko zu Genua, halbseidener Hoffnungsträger einer putschbereiten Regierungsopposition, im Hinterzimmer gekokst und an spätpubertären Flaschendrehspielchen teilgenommen. Jetzt tänzelt er an der Rampe auf und ab und fragt unter maximal demagogischer Pokerface-Aufbietung: «In welcher Regierungsform leben wir...
Schlicht nine/eleven heißt es in englischsprachigen Texten, wenn jenes Ereignis benannt wird, das sich als Bild der einstürzenden Türme in unser Bewusstsein gesetzt hat. Die Folgen dieses Tages sind kaum absehbar, und sie sind von Dauer. Auch wenn die Kriegsschauplätze und die Konfliktlinien wie in Afghanistan, Irak und nun auch in Syrien wechseln, der...
