Hannover: Symbolbehausungen
Mit einem Dräuen hebt es an; eine Tür knarrt, eine Fliege surrt, dann bebt ein Signal, wie aus einem Nebelhorn in die Luft gebohrt. Die Töne kommen aus den unteren Stockwerken des Hauses, aus denen die dreiköpfige Bürgerfamilie samt Dienstmädchen Cruche gerade geflohen ist und weiter fliehen wird. Immer höher hinauf, bis ins Dachgeschoss, wo der Platz eng wird. Aber das sinistere Geräusch kriecht ihnen bis in die letzten Winkel nach. «Ich habe Angst», leitmotivelt Tochter Zènobie schon früh an diesem Abend.
Das Schauspiel Hannover hat sich Boris Vians suggestive Parabel «Die Reichsgründer oder Das Schmürz» zum Saisonstart vorgenommen. Uraufgeführt 1959, kommt sie aus der Hochzeit der bissig absurden Dramatik eines Eugene Ionesco oder Harold Pinter herüber. Mit hohler Pathetik feiern sich Vians Fluchtbürger bei ihrem Aufstieg ins Nirgendwo, gängeln das Töchterchen und verhauen in regelmäßigen Übersprungshandlungen «das Schmürz», ein symbolhaftes Mullbindenwesen, das in der Ecke des Raumes kauert und so etwas wie die Verkörperung des Angst- und Wutkomplexes ist, der hinter den Leerlaufdialogen lagert. «Unser Beispiel ist in der Tat beispielhaft», solche Sätze sagen diese ...
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Theater heute Oktober 2016
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Christian Rakow
Aachen, Theater
1. Dürrenmatt, Die Physiker
R. Christian von Treskow
27. Lausund, Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner
R. Marion Schneider-Bast
Aalen, Theater der Stadt
2. Ramløse und Elhauge, Die Geschichte von Lena
R. Winfried Tobias
8. Ecer und Hintze, Samstag in Europa – Gefährliche Begegnungen (U)
R. Tina Brüggemann
16. Streul und Syri, Die Sternstunde des Josef...
Hundehalter mit schnüffelnden Vierbeinern haben sie angequatscht, die Nächte unter den Brücken waren zugig und die Frau im Backshop freundlich, als sie ihr abends das restliche Brot gab. Als sie dann «fast» eine Nahtoderfahrung hatte, ging ihr das doch ziemlich nahe. So ein blitzendes Messer findest du schließlich nicht alle Tage, und es schien ja auch alles prima...
Nichteingeweihten wird der Titel des neuen Pollesch-Zweiteilers «Diskurs über die Serie und Reflexionsbude (Es beginnt erst bei Drei), die das qualifiziert verarscht werden great again gemacht hat etc. Kurz: Volksbühnen-Diskurs» vielleicht etwas merkwürdig erscheinen. Kenner des Berliner Theaterkampfplatzes aber horchen auf: Will René Pollesch etwa die Worte des...
