Aus alt mach neu
Selten findet sich im Titel ein schöneres Understatement als bei Christopher Marlowes vorletztem Stück. «The Troublesome Reign of Edward II.» war nicht nur ein bisschen troublesome, also schwierig, sondern ein komplettes Desaster. Denn der König hielt sich weniger mit Regieren auf als mit seiner schwulen Liebe zu einem gewissen Gaveston. Was in modernen, funktional differenzierten Gesellschaften unter Privatsphäre fällt, die höchstens ein Problem im Terminkalender macht, war zu elisabethanischen Zeiten nicht so einfach.
Erstens hatte so ein König damals qua Gottesgnadentum keine so ohne Weiteres abteilbare Privatsphäre, und zweitens war sein Staat – der englische besonders – eine höchst wackelige Angelegenheit aus Allianzen, Loyalitäten und Verschwörungen rivalisierender Adeliger, die ein Herrscher steuern und ausbalancieren musste. Da sollte man seine Earls und Counts weder unnötig verärgern noch seine Tage mit dem Geliebten auf Blumenfesten verturteln. Die reine Liebe wurde schnell gefährlich.
Ewald Palmetshofer findet das verständlicherweise bedauerlich. Seine Marlowe-Nachschrift «Edward II. Die Liebe bin ich» versucht dem Untergang des liebeskranken Königs eine tragische ...
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Theater heute Juli 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Franz Wille
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