Helen Wendt (Unni) und Thomas Birklein (Alf), Foto: Stephan Walzl/Theater Oldenburg
Oldenburg: Einer von uns
Ein Lehrerehepaar, dessen 16-jährige Tochter für ein paar Tage auf ein sozialdemokratisches Jugendcamp fährt. Zwei Dorfpolizisten, die zur Sicherheit des Camps abgestellt sind, «Präsenz zeigen», ein Routineeinsatz. Zwei Bauern, die beobachten, wie am Nachbarhof große Mengen Dünger angeliefert werden, obwohl der Pächter seine Felder gar nicht zu bewirtschaften scheint. Wir schreiben den 22.
Juli 2011, als der Rechtsradikale Anders Behring Breivik erst eine Bombe im Osloer Regierungsviertel zündet, die acht Menschen tötet, und im Anschluss ein Massaker im Jugendcamp auf der 40 Kilometer entfernten Insel Utøya anrichtet. 69 Jugendliche sterben, bis die Polizei nach einer Kette von Fehlern viel zu spät am Tatort eintrifft.
Das Drama «Utøya» des italienischen Autors Eduardo Erba behandelt das Geschehen aus der Perspektive von mittelbar Beteiligten, ein ähnlicher Zugriff, wie ihn Simon Stephens in «Pornographie» anlässlich der islamistisch motivierten Anschläge 2005 in London versuchte. Allein: Erba ist kein Stephens – wo letzterer den Terror nur als Folie verwendete, vor der eine Gesellschaft in Schieflage geriet, passiert in «Utøya» das Attentat tatsächlich, wenn auch nur als ...
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Theater heute Oktober 2017
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Falk Schreiber
Wie ein Monsterfinger in ein Puppenhaus bohrt sich ein Abrisshammer in das Glasfoyer des Stadttheaters Mönchengladbach, Staubhöllen fallen von oben. 2012 wurde das 1959 gebaute Theater abgerissen, im sechsten und neuesten Teil ihrer 2010 begonnenen Dokumentarfilmreihe «state-theatre» fangen Daniel Kötter und Constanze Fischbeck kommentarlos die brutale, aber auch...
Wir marschieren im Quadrat. Ein komplizenhaftes Nebeneinander und Hintereinander in losen Zweierreihen, das innerhalb weniger Minuten den Verkehr zum Stillstand bringt. Denn unser Marsch führt über vier Zebrastreifen, die eine Straßenkreuzung umspannen – und bald sind alle vier mit uns, dem Publikum, gefüllt. Zur Verblüffung der Autofahrenden, die verharren und...
Der Abend beginnt als Spektakel, als barock anmutendes Theater, das Zirkus, Jahrmarkt, Variété, Maschinentheater und Popkonzert beerbt – und mit alledem natürlich auch die Performance Art; und dies, obwohl es sich zunächst einmal um eine Inszenierung handelt, die auf einem Text basiert. «The Blind Poet», 2015 im Rahmen des Brüsseler Kunstenfestival des arts...
