Whomm! Zoing!
Ein Comic bleibt ein Comic bleibt ein Comic – auch wenn er ohne Sprechblasen auf der Bühne daherkommt. Das heißt: Große Hüllen mit wenig Inhalt sind das eigentlich schon, die man im Theaterhaus Jena bei Rebekka Kricheldorfs Batman-Fortschreibung «Gotham City I»
zerplatzen hört, einer scheinbar ins Unendliche angelegten (mindestens die Teile II und III
werden noch folgen) knallbunten Un-Sittengeschichte aus den Abgründen eines Provinz-
Molochs.
Sex und Crime, Drugs und Philosophie sind die zentralen Themen dieser Outlaw-Revue, die Markus Heinzelmann ohne Rücksicht auf Geschmacksverluste auf die knarzende Drehbühne platziert und mit «Krawumm» und «Splash» und «Quiiietsch» genregerecht auf
die Trash-Spitze treibt.
Das ist im Ansatz und bei der szenischen Verwirklichung zunächst auch ziemlich komisch. Denn so weit liegen die realen und die gezeichneten Welten gar nicht auseinander. Die Halbsätze, in denen sich grundlegende Analysen der völlig verkommenen Gesellschaft verbergen, die Geistesblitze, hinter denen nur platte Binsenweisheiten stecken – Gotham City, die legendäre Comic-Metropole, ist wie das Böse immer und überall. Also können die Helden, die jede Stadt nun einmal braucht und ...
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Theater heute Januar 2011
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Bernd Noack
Wer in den letzten Wochen und Monaten in ein deutsches Theater ging, konnte froh sein, wenn er nach dem Applaus ohne weitere Hiobsbotschaften entlassen wurde. Wenn es nicht so glücklich lief, standen ein paar Schauspieler auf der Bühne, berichteten in wohlgesetzten Worten von drohenden Sparszenarien und riefen die Zuschauer wenn nicht zur Solidarität, so doch...
«Postmigrantisches Theater» – ich weiß nicht, wozu dieses Etikett gut sein soll. Damit manövriert man sich in eine Sackgasse. Biedert sich an. Dass auch Leute, deren Vorfahren nicht immer in Deutschland gelebt haben, Theater machen, sollte selbstverständlich sein. Wann ist man denn nicht mehr Migrant? Wann darf ich denn endlich angekommen sein? Ich bin in Berlin...
Seit ein paar Monaten heißt Sesede Terziyan an manchen Abenden Sonia Kelich. Dann sitzen besonders viele Menschen im kleinen Zuschauerraum des stuckverzierten Theatersaals im Ballhaus an der Naunynstraße und verfolgen hin- und hergerissen, wie die kleine Person im korrekten Kostümchen zum dunkelblonden Dutt mit der Pistole in der Hand ein Rudel unbezwingbar vitaler...
