Rohstoff Wut
1. Wut
Muss man trennen von Zorn und Empörung. Zorn weiß sich legitim. Die Diskrepanz zwischen dem, was das Rechtsempfinden weiß, und der Realität des Rechts ist stabil. Wut ist dagegen trauriges Tasten und Tappen im Dunkeln auf der Suche nach Legitimität und einer dumpfen Ahnung von der Maßlosigkeit ihres Gegenübers.
Empörung ist die Auffrischung eines älteren oder das Aufwecken eines schlummernden Legitimationsdiskurses: Erst bin ich sprachlos vor etwas, das geschieht, dann greife ich nach einem Halt von früher und finde etwas – das kann auch falsch und unangemessen sein: Dann reicht die Empörung nicht zum Zorn. Wut ist zwar der Rohstoff, den Zorn wie Empörung brauchen, sie wäre in ihrem Zusammenhang aber schon veredelt oder verhüttet. Zorn und Empörung führen den Streit. Wut tritt eher alleine auf. In letzter Zeit immer öfter. Doch Wut hat eine Genealogie: Sie ist aus dem Streit herausgefallen. Im Streit ist sie gebunden: eine notwendige, agonale Energie, die sich im Streit vergesellschaftet. Verlieren Aktanten im Streit jede Chance, verlieren sie ihre Position oder kann der Streit überhaupt nicht mehr geführt werden, dann tritt die gebundene Wut heraus und taucht frei, radikal ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Diedrich Diederichsen, Seite 46
von Diedrich Diederichsen
Ein Schauspieler ist er nicht, er will kein Schauspieler sein. Seine Kollegen mögen Schauspieler sein, was für ihn heißt: Mensch-Maschinen. Er will sich nicht verbiegen. Sich Figuren zu widmen, hat er nicht nötig. Ihm reicht es, er selbst zu sein, und er ist sich sicher, dass er mit der Zur-Schau-Stellung seiner Tagesform dem Publikum das größte nur denkbare...
Ich soll nun schreiben «Ich habe eine Wut auf ...», bin aber das Gegenteil eines «angry old man» und denke so oft an mein momentanes Wohlergehen, dass ich dazu neige, solche «Wutgefühle» wegzupusten, auch um dadurch zu vergessen, zu verdrängen: Sie würden meiner übriggebliebenen Kreativität oder Lust auf Theater, Oper und Literatur im Wege stehen. Es halten mich...
Das Schauspiel Köln ist Meister in allen Klassen: Im Theater des Jahres spielt die Schauspielerin des Jahres, Lina Beckmann, und Intendantin Karin Beier hat die Inszenierung des Jahres, Elfriede Jelineks «Das Werk/Im Bus/Ein Sturz», eingerichtet. Zuverlässig im Hintergrund steht Chefdramaturgin Rita Thiele: ein Porträt!
