DVD: In der Grauzone
Der schmutzig kleine Bruder der auch schon nicht sehr glamourösen Möbelpackerbranche ist die Zwangsräumung. Zusammen mit einem Trupp ähnlich grauer Gestalten ist Walter Scholl in diesem Job gelandet, der sich, wie David Nawraths Debütfilm «Atlas» bald schon zeigt, seinerseits meist in einer rechtlichen Grauzone bewegt. Denn hinter jeder Entmietung steckt ein finanzielles Interesse, hier in Frankfurt/Main auch das eines arabischen Clans, der Scholls Chef (Uwe Preuß) immer heftiger unter Druck setzt.
Es ist eine fast schon zu fahle, unwirtliche Männerwelt, die Nawrath am Beispiel von Walter porträtiert. Karge Wohnungen, triste Umkleiden, alleinstehende Kerle, für die die hanteltrainierte Muskelkraft das Einzige ist, worauf sie sich verlassen können. Wobei Walter, dem sein Alter und die Dauerbelastung zusetzen, auch diese Sicherheit zu verlieren droht. Bei einem Einsatz begegnet er seinem Sohn Jan, zu dem er schon, als der noch Kind war, den Kontakt abbrechen musste. Jetzt lebt Jan, der ihn gar nicht erkennt, den Gegenentwurf: ein Kleinfamilienidyll zwischen Bücherregalen im Altbau, das allerdings durch die Zwangsäumung vor dem Aus steht. Walter, der bisher stoisch alle ...
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Theater heute Oktober 2019
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Eva Behrendt
Der menschengemachte Klimawandel ist die alles überwölbende Herausforderung der Gegenwart. Die immer dichter getakteten Nachrichten vom tauenden Permafrost, von Waldbränden, Artensterben und Korallenbleiche, von Dürren, Überschwemmungen und Tropenstürmen bestätigen die Prognosen der Wissenschaft, übertreffen sie in ihrer Geschwindigkeit sogar (dass wir hierzulande...
Am Ende liegt ein Mann in der Badewanne. Macbeth, der Machtmensch, der Karrierist, der über Leichen geht, ist tot. Der Kopf ist zur Seite gefallen, wobei er sich auf ein Handtuch stützt, das ihm kurz vorher sein einstiger Rivale Macduff vorsichtig um das Handgelenk gewickelt hatte. Geradezu fürsorglich und besorgt begleitet dieser ihn zur Wanne, in der sich Macbeth...
Die Radikalisierung des Pferdehändlers Hans Kohlhase und seine Hinrichtung in Berlin am 22. März 1540 fielen in eine Zeit, in der das mittelalterliche Fehderecht noch virulent war. Privatrechtliche Ansprüche, so die Annahme, könne man mit Gewalt erzwingen. Auch knapp dreihundert Jahre später, als Heinrich von Kleist «Michael Kohlhaas» schrieb, waren die Zeiten in...
