E wie Euro Gorki
Die Bühne ist ein Dach. Es schaukelt ruhig vor sich hin, schwebt noch oben und nach unten, und manchmal neigt es sich auch gefährlich nach vorne. Dann verlieren die Figuren in ihren cremeweißen Rüschen- und Spitzenkleidern beinahe den Halt und klammern sich an den Stühlen oder der Chaiselongue fest, die Bühnenbilder Harald B. Thor auf das Bretterdach genagelt hat. Für die Bewohner dieses Hauses ist es Unterschlupf und Kletterwand und natürlich Spielwiese für ihre Boshaftigkeiten und Gemeinheiten, ihre Liebeshändel und Tagträume.
Das Sinnbild einer aus dem Gleichgewicht geratenen Familie.
Seitdem der Patriarch des Hauses im Sterben liegt und die Macht der Familie in die Hände seiner Frau Wassa Petrowna Schelesnowa übergegangen ist, werden auch die Kräfteverhältnisse neu geordnet. Es geht um Geld und um Schulden, um die Zukunft der Torffabrik und jene ihrer Betreiber. Noch kreist dieser Familienverband in erster Linie um sich selbst, doch die Verhältnisse, die sich draußen in einer klirrenden Winterlandschaft bedrohlich abzeichnen, werden auch dieses Gefüge bald durcheinander bringen.
1910 hat Maxim Gorki die erste Fassung von «Wassa Schelesnowa» geschrieben, noch vor jener ...
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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Chronik, Seite 69
von Stephan Hilpold
Wie steht es zur Zeit mit der Freiheit im Theater? Was überhaupt ist Freiheit im Theater? Und wo ist sie, wenn sie da ist? Bevor wir lange über das Anarchieempfinden manches Protagonisten und die gewissenhafte Plansollerfüllung mancher Bühne räsonnieren, schalten wir um zu Jürgen Kruse.
In Frankfurt hat sich Kruse mit Georg Büchners Melancholiekomödie «Leonce...
Eigentlich könnte man auch nur dieses Bühnenbild betrachten. Ein Schiff auf einem goldenen Meer unter einem goldenen Himmel, gediegen, vergangen, das gleiche Motiv auf allen Bildern einer Galerie. Da fühlt man sich sofort ohnmächtig. Weil das System so geschlossen ist. So gewaltig und erhaben. Und zugleich so offen. Weil dieses eine Bild durch seine Multiplikation...
Ende der Vorstellung» und «Wenn der Vorhang fällt»: Unter diesen Titeln firmierten Margarita Broichs Schauspielerporträts im Salzburger Museum der Moderne 2009 und zwei Jahre später im Berliner Martin-Gropius-Bau. Zu den Ausstellungen gab es unter den nämlichen Überschriften im Salzburger Salzmann/Müry- und im Berliner Alexander-Verlag opulente Kataloge mit klugen...
