Foto: Matthias Baus/Theater Koblenz
Koblenz: Dramatische Komplexitätsreduktion
Mit der Aufteilung seines Erbes richtet sich der alte König selbst zugrunde, kann sich am Ende aber damit trösten, dass er etwas besser weiß, wie seine Töchter ticken. Goneril und Regan, die freundlich lächeln, aber den Dolch im Gewand tragen. Und das Küken Cordelia, das dem Vater ziemlich schnell klar macht, dass man Liebe nicht kaufen kann.
Nur eine weitere Neuübersetzung des «King Lear» legt John von Düffel zwar nicht vor, man darf aber mit Recht fragen, wie viel Düffel tatsächlich im «Schauspiel nach William Shakespeare» steckt. In Düffels kernreduzierter Erzählung fehlt ein Großteil der Figuren. Damit etwas wichtigere wie die Gloucester-Söhne, Edmund der Bastard und der eheliche Sohn Edgar noch vorkommen, hat John von Düffel ein Vorspiel und ein Spiel im Spiel erfunden. Schauspielerinnen und Schauspieler schlüpfen in die Rollen der Brüder und geben später auch den armen Tom. Damit die Waage sich noch etwas weiter in Richtung «eigenständiges Werk» neigt, bewegen Goneril (Lisa Heinrici) und Regan (Isabel Mascarenhas) sich im letzten Drittel der Familientragödie in einer für sie neuen Geschichte. Sie entfalten ein Eigenleben, als wollten sie den Beweis erbringen, auch bis in ...
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Theater heute November 2017
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Jürgen Berger
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Neue Stücke
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