Von Whisky, Cadillacs und Poker
Im Sprechtheater wird traditionell viel geredet, oft zu viel. Aber dann fallen plötzlich Sätze, die ganze Romane überflüssig machen. «Ihr könnts euch nicht leisten, den Mut zu verlieren, ihr könnts euch einfach nicht leisten», ist so ein Satz. Genau genommen bedeutet das: Depression ist Luxus. Soweit muss man erst mal kommen. Wenn der Satz fällt, sind in John Steinbecks «Früchte des Zorns» schon ein paar hundert Seiten vergangen, und die Familiensaga der Joads Ende der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts neigt sich immer tiefer in den Abgrund.
Auf dem Weg von ihrer überschuldeten und von Wind und Sand verwüsteten Farm ins gelobte Land Kalifornien wird alles nur noch schlimmer. Großvater und Großmutter sind nacheinander auf der Fahrt gestorben und verscharrt worden, die Tochter ist hochschwanger, der Schwiegersohn abgehauen, das Auto verreckt, das Geld alle, kein Job in Sicht, kein Dach überm Kopf und nichts zu essen. Was noch fehlt bis zum Ende des Buchs sind eine Fehlgeburt, ein toter Mann, eine Überschwemmung und ein biblisch offenes Ende. Mit Fleiß, christlicher Moral und gutem Willen, so erzählt das uramerikanische Melodram, kommt man in der Wirtschaftskrise nur immer weiter ...
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Theater heute Februar 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Franz Wille
Fernsehen
Dienstag, 1.
19.00, Theaterkanal: Theaterlandschaften: Maxim Gorki Theater Berlin – vorgestellt von Esther Schweins. Ein Film von Niels Negendank
19.30, Theaterkanal: Ursula Werner, Protagonistin des Gorki Theaters, im Gespräch
22.25, 3sat: FOYER – Das Theatermagazin mit Esther Schweins
Mittwoch, 2.
12.15, Theaterkanal: Woyzeck – von Büchner, mit Bernd...
Die selbstverständlich selbstreflexive Dekonstruktionsfreudigkeit der performativen Künste, in deren Anfänge Handkes «Publikumsbeschimpfung» einmal gehört haben mag, schlägt noch immer die allerkühnsten Kapriolen. René Pollesch zum Beispiel, das ist Metacomedy
für Intellektuelle, die schon alles wissen! Peter Handkes Klassiker von ’68 dagegen ist inzwischen tief in...
Ansichten eines Kritikers: Herbert Ihering (1888-1977) gehörte zu den wichtigsten Theaterkritikern in der Weimarer Republik. Dabei war er mehr als ein Schöngeist mit Schreibe, pochte auf die gesellschaftliche Funktion der dramatischen Kunst und mischte sich kulturpolitisch ein. Nun liegt eine Edition seiner verstreuten Bemerkungen über Kritik und Kultur, Politik...
